Neue Angriffe in der Nacht auf Iran: Warum Trumps Nahost-Krieg Deutschland teuer zu stehen kommt
Es ist kurz nach Mitternacht in Washington, als das US Central Command eine Meldung veröffentlicht, die die an den Märkten in Asien sofort den Ölpreis sofort steigen lässt: Erneute Luftschläge gegen den Süden. . .

Es ist kurz nach Mitternacht in Washington, als das US Central Command eine Meldung veröffentlicht, die die an den Märkten in Asien sofort den Ölpreis sofort steigen lässt: Erneute Luftschläge gegen den Süden Irans, gegen Raketenstellungen und Boote, die angeblich Seeminen ausbringen wollten. Es seien „Verteidigungsschläge“ zum Schutz eigener Truppen, lässt Navy-Sprecher Tim Hawkins ausrichten. Man halte sich, so die bemerkenswerte Formulierung, „während der laufenden Waffenruhe weiterhin zurück“. Diese Waffenruhe ist seit dem 8. April in Kraft. Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg der USA und Israels gegen den Iran, begonnen am 28. Februar, dauert damit faktisch in eingefrorener Form fort – als militärische Dauerdrohung, die jederzeit wieder eskalieren kann. Genau das tut sie in dieser Nacht. Verhandlungen in Doha – und ein brisantes MemorandumParallel zu den Bomben sitzen Irans Chefunterhändler und Außenminister beim katarischen Premier in Doha. Auf dem Tisch liegt ein Memorandum of Understanding, eine Vorvereinbarung, die laut übereinstimmenden Berichten von Reuters, BBC und Nikkei drei Kernpunkte umfasst: eine Verlängerung der Waffenruhe um 60 Tage, eine Wiederöffnung der Straße von Hormus innerhalb von 30 Tagen nach Vertragsabschluss – und Verhandlungen über Irans Nuklearprogramm. EnergiekriegeTrump und Iran: It’s the Oil, Stupid!Irans Außenamtssprecher Esmail Baghaei dämpft jedoch die von Trump tags zuvor geschürten Erwartungen: Man habe sich „über einen großen Teil der Fragen“ verständigt, aber niemand könne behaupten, eine Unterzeichnung stehe unmittelbar bevor. US-Außenminister Marco Rubio spricht in Jaipur von „ein paar Tagen“, die das Feilen am Wortlaut noch dauern werde. Trump selbst hatte am Wochenende seine Unterhändler angewiesen, „nichts zu überstürzen“. Die Knackpunkte sind brisant: Was geschieht mit den rund 440 Kilogramm auf 60 Prozent angereichertem Uran, das Iran zu Kriegsbeginn besaß? Trump will es „sofort“ in US-Gewahrsam – oder „vor Ort zerstört“ sehen. Hinzu kommen die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögen und die Frage von Sanktionserleichterungen. Dass Ayatollah Mojtaba Khamenei, der nach dem israelischen Erstschlag auf seinen Vater an die Spitze gerückt ist, verletzt in einem unbekannten Versteck ausharrt und kaum mit seinen Gesandten kommunizieren kann, verlangsamt die Gespräche zusätzlich. Trumps Inszenierung: Abraham Accords als KrönungMitten in dieses fragile Geflecht wirft der US-Präsident eine politische Granate: Per Truth Social verlangt er „zwingend“ von Saudi-Arabien, Katar, Pakistan, der Türkei, Ägypten und Jordanien, „umgehend“ den Abraham Accords beizutreten – jenen 2020 von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner orchestrierten Verträgen, mit denen die Emirate, Bahrain, Marokko und Sudan Israel anerkannten. Ein möglicher Iran-Deal soll so zur Geburtsstunde einer „beispiellosen Weltkoalition“ stilisiert werden. Iran-KriegHormus-Krise und Ölpreisschock: Wie Irans Strategie Europas Wirtschaft unter Druck setztDie Reaktion fällt ernüchternd aus. Pakistan lehnt umgehend ab; aus Riad, Ankara und Kairo: Schweigen. Ali Vaez von der International Crisis Group bringt es auf den Punkt: „Trump tauscht eine Fantasie gegen die nächste – vom Zwang zur iranischen Kapitulation hin zur Vorstellung, ein brüchiger Deal könne eine neue Nahostordnung verankern. “ Tatsächlich machen die Bilder aus Gaza und die fortgesetzte israelische Besatzung des Westjordanlands eine Normalisierung für arabische Regierungen innenpolitisch zum Hochrisiko-Geschäft. Saudi-Arabien beharrt auf einem palästinensischen Staat mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt – eine Bedingung, die Israel kategorisch ausschließt. Und während in Doha verhandelt wird, kündigt Premier Benjamin Netanyahu an, die Angriffe auf die Hisbollah im Libanon zu „intensivieren“ – trotz der seit Mitte April geltenden Feuerpause. Der „neue Nahe Osten“, den Trump beschwört, sieht aus wie eine Mondlandschaft, übersäht von Kratern nach Bombardierungen auf Netanyahus Befehl hin. Was die Blockade am Golf für Deutschland bedeutetFür deutsche Verbraucher ist das keine ferne Geopolitik, sondern Inflationstreiber. Durch die Straße von Hormus fließt rund ein Fünftel des weltweiten Öls und verflüssigten Erdgases. Seit Kriegsbeginn passieren nach iranischen Angaben pro Tag nur noch wenige Dutzend Schiffe – statt der üblichen 125 bis 140. Rund 20. 000 Seeleute sitzen auf Hunderten Tankern im Golf fest. Die Folgen sind in jeder deutschen Tankfüllung, jeder Heizkostenabrechnung und jedem Lebensmittelregal angekommen: Reuters spricht ausdrücklich von „Preisspitzen bei Öl, gestiegenen Kosten für Treibstoff, Düngemittel und Nahrungsmittel“. Dass die Ölpreise am Montag zunächst um vier Prozent auf Zwei-Wochen-Tiefs fielen – und nach den nächtlichen US-Schlägen sofort wieder anzogen – zeigt, wie nervös die Märkte taktieren. Jede Eskalations-Schlagzeile kostet deutsche Haushalte real Geld. WeltkriegsordnungÖl als Waffe: Warum Europas Energiepolitik im Hormus-Schock versagtDass nun erste LNG-Tanker wie die „Fuwairit“, „Al Rayyan“ und „Al Hamra“ wieder aus Katar Richtung Pakistan, China und Indien auslaufen, und ein VLCC mit zwei Millionen Barrel Basrah-Rohöl Kurs auf Ningbo nimmt, ist ein zartes Tauwetter. Doch die Routen führen nach Osten. Europa, das nach dem Wegfall russischer Pipeline-Gase ohnehin am LNG-Weltmarkt hängt, konkurriert nun mit asiatischen Käufern um knappes Angebot zu Risikoaufschlägen. Berlins beredtes Schweigen, Brüssels BedeutungslosigkeitUnd Deutschland? Die Bundesregierung hat in den vergangenen drei Monaten keinen Moment gefunden, in dem sie diesen Krieg, der unter normalen Maßstäben des Völkerrechts ein klassischer Aggressionsakt ist, beim Namen genannt hätte. Stattdessen Solidaritätsbekundungen mit Israels „Selbstverteidigungsrecht“, diplomatisches Schulterzucken angesichts der US-Bunkerbrecher-Einsätze gegen iranische Atomanlagen, und ein „Wir verfolgen die Lage mit Sorge“ als Standardformel. Die Europäische Union, die einst den Atomdeal JCPOA mit verhandelte und über Jahre als Brückenbauer auftrat, kommt in den Verhandlungen in Doha nicht vor. Nicht in Trumps Truth-Social-Posts, nicht in den geleakten Memorandums-Entwürfen, nicht am Verhandlungstisch. Vermittler ist Katar, Garantiemacht sind die USA, militärischer Akteur ist Israel. Brüssel ist Zaungast einer Neuordnung, deren wirtschaftliche Folgen vor allem europäische Volkswirtschaften tragen. Das ist die eigentliche Lehre dieser Nacht: Eine Bundesregierung, die ihre außenpolitische Stimme in der Iran-Frage konsequent abgibt, verliert nicht nur moralische Glaubwürdigkeit – sie verliert Einfluss auf die Bedingungen, unter denen Energie nach Europa fließt. Wer einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der USA und Israels gegen Iran nicht zumindest benennen mag, sitzt am Ende auch nicht am Tisch, wenn über Hormuz, Uran und Sanktionen entschieden wird. Die Rechnung dafür zahlen deutsche Haushalte – an der Tankstelle, an der Heizung, im Supermarkt. Trump verkauft seinen „Deal“ als „historischen Moment“. Realistisch betrachtet ist es das diplomatische Aufräumen eines Krieges, der nie hätte begonnen werden dürfen – und der eine Weltordnung hinterlässt, in der Europa kleiner geworden ist. GeopolitikHormus-Schock: Warum der US-Iran-Krieg jetzt deutsche Tankfüllungen, Heizkosten und Mallorca-Flüge trifftLesen Sie mehr zum Thema