Offene KI-Modelle: USA wollen Kimi und DeepSeek gezielt verbieten
Die USA erwägen, offene KI-Modelle aus China wie Kimi K3 gezielt zu verbieten. Nvidia und Meta warnen davor — während OpenAI und Anthropic hinter den Kulissen für Beschränkungen lobbyieren.

Künstliche Intelligenz3 Min. LesezeitStreit um offene KI-Modelle: Washington will chinesische Modelle wie Kimi gezielt verbieten — Nvidia hält dagegenDie US-Regierung erwägt, offene KI-Modelle aus China wie Kimi K3 gezielt zu verbieten. Nvidia, Meta und Microsoft warnen in einem offenen Brief davor — während OpenAI und Anthropic hinter den Kulissen für Beschränkungen lobbyieren. Erst der Vorwurf, jetzt der drohende Bann: Wenige Tage nachdem das Weiße Haus dem chinesischen KI-Labor Moonshot vorgeworfen hatte, dessen Modell Kimi K3 ausAnthropics Technik abgekupfert zu haben, denkt Washington über die nächste Stufe nach. Mehreren US-Medienberichten zufolge erwägt die Trump-Regierung, einzelne offene KI-Modelle aus China gezielt zu verbieten — und stößt damit ausgerechnet in der eigenen Tech-Branche auf Widerstand. Gezielt statt pauschalAuffällig ist der Zuschnitt des Plans. Statt offene chinesische Modelle pauschal zu untersagen, favorisiert die Regierung Berichten zufolge das gezielte Verbot einzelner Modelle — allen voran Kimi K3 und das schon länger im Visier stehende DeepSeek. Auslöser war der Start von Kimi K3, das erstmals nah an westliche Spitzenmodelle heranrückte. Als Begründung dient die Cybersicherheit: In einschlägigen Sicherheitstests schneidet Kimi K3 spürbar schlechter ab als westliche Frontier-Modelle — ein Einwand, der nicht aus der Luft gegriffen ist. Der Schwenk vom Komplett- zum Einzelverbot kommt nicht von ungefähr. Ein pauschales Verbot offener Gewichte gilt juristisch als kaum haltbar und praktisch als kaum durchsetzbar — dazu gleich mehr. Ein gezielter Bann gegen namentlich benannte Modelle lässt sich leichter begründen, auch wenn er am Ende dieselben Vollzugsprobleme hat. Die Branche stellt sich quer — mit einer pikanten AusnahmeAm 24. Juli veröffentlichten mehr als zwei Dutzend Firmen einenoffenen Brief gegen „vorschnelle Beschränkungen“offener KI-Modelle — unterschrieben unter anderem von Nvidia, Meta, Microsoft, Mistral, Hugging Face und Replit. Nvidia-Chef Jensen Huang wurde noch deutlicher und nannte offene Modelle wie Kimi„exzellent“: Man solle sie annehmen, nicht verbieten. Die Front ist allerdings nicht so geschlossen, wie der Brief aussehen lässt. OpenAI und Anthropic fehlten zunächst auf der Liste — und sollen hinter den Kulissen sogar für Beschränkungen chinesischer Modelle werben. Der Grund ist wenig überraschend: Die billigen offenen Modelle aus China setzen genau jene US-Labore unter Preisdruck, die ihre eigenen Spitzenmodelle teuer verkaufen. Sicherheitsbedenken und Geschäftsinteresse fallen hier bequem zusammen. Pikant wird es, wenn man sich erinnert, dass Microsoft dasselbe Kimi K3 gerade erstfür Copilot testet, um bis zu 600 Millionen Dollar an Inferenzkosten zu sparen. Ein Verbot träfe hier die eigene Kostenrechnung. Warum ein Verbot kaum zu machen istDer eigentliche Haken steckt in der Natur offener Gewichte. Ein Modell, dessen Gewichte einmal öffentlich zum Download standen, lässt sich nicht zurückrufen — es liegt längst auf Zehntausenden Festplatten, in Forks und Spiegeln. Ein offenes Modell ist eben keine Ware, die man aus dem Regal nehmen kann; wer schon einmal eines lokal laufen ließ, weiß, dass es dafür keinen zentralen Ausschalter gibt. Juristen verweisen zudem auf den First Amendment: Öffentlich verfügbare Modellgewichte als Sprache zu werten, würde ein Verbot verfassungsrechtlich angreifbar machen. Bleibt der Verdacht, dass es weniger um Sicherheit als um Wettbewerb geht. Dass Kimi K3 in Sicherheitstests schwächelt, ist real — aber ein Bann, der sich technisch kaum vollstrecken lässt, wirkt eher wie ein Signal an die eigene Industrie als wie eine Schutzmaßnahme. Er verteuert die Nutzung, verschiebt sie in Grauzonen und zementiert die Blockbildung, die sich in der KI-Welt ohnehin abzeichnet. Für Nutzer hierzulande ist das mehr als eine amerikanische Randnotiz. Je stärker die USA offene Modelle nach Herkunft sortieren, desto weniger selbstverständlich wird die freie Auswahl, die Open Source überhaupt erst attraktiv macht. Ich habe wenig Sympathie für staatliche Nähe in irgendeinem Modell — aber ein Verbot, das man nicht durchsetzen kann und das vor allem den eigenen Preisführern nützt, ist die schwächere Antwort als eine ehrliche Sicherheitsprüfung, die den Namen verdient. ◆ Über den AutorAlexander BaumgärtnerSeit über 20 Jahren in der IT — mit allem, was dazugehört: abgestürzten Servern um zwei Uhr nachts, Migrationen, die laut Plan eine Stunde dauern sollten, und Kunden, die "schnell mal" eine neue Software brauchen. Hauptberuflich führe ich die ProMedia24, eine kleine IT-Firma in Wallenhorst bei Osnabrück. Lieber konkret als geschwurbelt, gerne auch mal kritisch.