Ohne die USA: NATO bestellt zehn neue „Augen im Himmel“ – doch auch Trump plant Deal
StartseitePolitikMilliarden-Deal ohne USA: NATO bestellt neue Aufklärer – doch Trump hat noch etwas anderes im SinnStand:08. 07. 2026, 09:28 UhrKommentareUns auf Google folgenDie NATO erneuert ihre alternde. . .

StartseitePolitikMilliarden-Deal ohne USA: NATO bestellt neue Aufklärer – doch Trump hat noch etwas anderes im SinnStand:08. 07. 2026, 09:28 UhrKommentareUns auf Google folgenDie NATO erneuert ihre alternde AWACS-Flotte, verzichtet aber auf US-Maschinen. Parallel läuft ein heikler F-35-Deal mit der Türkei an. Ankara – Neue Zeiten bei derNATO: Am Rande des Gipfeltreffens in Ankara hat die Nordatlantische Allianzmilliardenschwere Rüstungsdeals angekündigt. Besonders brisant ist dabei eine Entscheidung zu ihren neuen „Augen im Himmel“: Die NATO erneuert ihre alternde Aufklärungsflotte, setzt dabei aber nicht wie ursprünglich geplant auf US-Maschinen. Gleichzeitig bahnt sich ein heikler Deal zwischen den USA und der Türkei an. Ein Awacs-Flugzeug startet am NATO-Flugplatz in Geilenkirchen. © Christoph Reichwein/dpaNach Angaben von Generalsekretär Mark Rutte wird die NATO künftig auf Flugzeuge des kanadischen Herstellers Bombardier setzen. Diese sind mit dem Aufklärungs- und Frühwarnsystem GlobalEye des schwedischen Rüstungskonzerns Saab ausgestattet. Die Bestellung umfasst laut Rutte bis zu zehn Flugzeuge. NATO setzt bei Aufklärung nicht mehr auf US-FlugzeugeEigentlich hatte die NATO die Nachfolge ihrer legendären AWACS-Flotte mit US-amerikanischen Maschinen vom Typ Boeing E-7A Wedgetail planen wollen. Doch nachdem die US-Regierung im Sommer 2025 ihren Ausstieg aus dem Programm angekündigt hatte, wurden die Pläne auf Eis gelegt. Die Wahl fiel schließlich auf das GlobalEye-System, das auf Flugzeuge des Typs Bombardier Global 6000 oder Global 6500 installiert wird. Das neue System bietet laut Rutte erhebliche Fähigkeiten: Es ermöglicht die gleichzeitige Überwachung des Luftraums, des Seeraums und des Bodens von einer einzigen Plattform aus und kann unter anderem Drohnenschwärme, ballistische Raketen und Marschflugkörper aufspüren, verfolgen und identifizieren. „Die Augen des Bündnisses“: NATO-Generalsekretär Rutte verabschiedet die AWACSDie bisherigen AWACS-Maschinen – umgebaute Boeing-707-Jets aus den 1980er-Jahren – haben eine beeindruckende Geschichte: Jahrzehntelang seien die Awacs die Augen des Bündnisses im Himmel gewesen, sagte Rutte lautDeutscher Presse-Agenturbei der Ankündigung. Doch nun erreichten sie das Ende ihrer Nutzungsdauer. Die 14 Maschinen der Flotte, stationiert am NATO-Flugplatz Geilenkirchen bei Aachen, waren an nahezu allen großen NATO-Einsätzen beteiligt – vom Kosovokrieg bis zum Kampf gegen den Terrorismus. Derzeit werden sie primär zur Überwachung des Luftraums im östlichen Europa eingesetzt. Ihre markanten pilzförmigen Radaraufbauten können Luftfahrzeuge in mehr als 400 Kilometern Entfernung orten und identifizieren. Mit dem Rückzug der USA aus dem ursprünglichen Programm dürfte Deutschland den größten Anteil der auf mehrere Milliarden Euro geschätzten Kosten übernehmen. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hatte bereits im September 2025 das GlobalEye-System als mögliche Option ins Spiel gebracht. Ob Boeing zu einem späteren Zeitpunkt doch noch einen Auftrag erhält, ist laut NATO-Kreisen nicht ausgeschlossen – zuletzt hat es wieder Gespräche gegeben. F-35-Kampfjets für die Türkei? Trump signalisiert BereitschaftWährend die NATO ihre Aufklärungsflotte ohne Amerika erneuert, deutet sich beimNATO-Gipfel in Ankaraeine ganz andere sicherheitspolitische Kehrtwende an – dieses Mal mit den USA in der Hauptrolle. US-PräsidentDonald Trumpwird lautNew York TimesundCNNvoraussichtlich seine Bereitschaft für den Verkauf von F-35-Kampfjets an die Türkei signalisieren. Beide Medien berufen sich dabei auf US-Regierungsbeamte. Das wäre eine dramatische Wende: Die Türkei war ursprünglich Teil des F-35-Entwicklungsprogramms und sollte rund 100 Jets erhalten. Doch 2019 – ebenfalls während Trumps erster Amtszeit – schlossen die USA die Türkei aus dem Programm aus, nachdem Ankara das russische Raketenabwehrsystem S-400 erworben hatte. Die Trump-Regierung befürchtete, Russland könnte über das empfindliche Radar des S-400-Systems an geheime Daten über die Tarnkappenfähigkeiten der F-35 gelangen – ein aus NATO-Sicht inakzeptables Sicherheitsrisiko. Die NATODie NATO war am 4. April 1949 in Washington, DC, in Reaktion auf die als bedrohlich wahrgenommene Politik der kommunistischen Sowjetunion gegründet worden. Im Kalten Krieg sollte das Verteidigungsbündnis der östlichen Militärmacht ein abschreckendes Gegengewicht entgegensetzen und zu Frieden und Sicherheit beitragen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion Anfang der 90er-Jahre nahm die Allianz dann zeitweise die Rolle einer Art Weltpolizei ein. So griff sie unter anderem in die Konflikte in Bosnien-Herzegowina, im Kosovo und in Libyen ein. Seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs liegt der Schwerpunkt der NATO wieder auf Abschreckung und Verteidigung gegen Russland. F-35-Kampfjets für die Türkei: Hohe gesetzliche HürdenEin möglicher Sinneswandel Trumps stößt jedoch auf rechtliche Hindernisse: DerUS-Kongresserließ im Verteidigungshaushalt 2020 eine Bestimmung, die dem Pentagon die Lieferung vonF-35-Jets an die Türkeiso lange untersagt, wie Ankara im Besitz des S-400-Systems ist. Zudem gelten bis heute US-Sanktionen gegen die Türkei als Reaktion auf den S-400-Kauf. DieNew York Timesberichtet von unterschiedlichen Überlegungen, wie diese Hürden überwunden werden könnten. Ein US-Regierungsbeamter zitiert: „Die Türkei könnte ihre russischen Waffensysteme an eine Drittpartei abgeben. “ Ein zweiter Beamter machte deutlich, dass noch kein konkreter Mechanismus ausgearbeitet worden sei. Offizielle Signale aus Ankara, sich von den russischen Systemen zu trennen, gibt es bislang nicht. Ob und wann die Türkei tatsächlich F-35-Jets erhalten könnte, ist damit zum jetzigen Zeitpunkt noch offen. (Quellen: New York Times, CNN, dpa)(cs)