OnePlus zieht sich aus Europa zurück — Gutschein statt Garantie
Statt defekte Geräte zu reparieren, gibt OnePlus europäischen Kunden fast wertlose 100-Euro-Gutscheine — während die Shops leerlaufen. Verbraucherschützer sehen einen Bruch der Gewährleistung.

Wirtschaft & Recht3 Min. LesezeitStatt defekte Geräte zu reparieren, schickt OnePlus europäischen Kunden fast wertlose 100-Euro-Gutscheine mit engem Verfallsdatum — während die Shops leerlaufen. Verbraucherschützer sehen darin einen Bruch der gesetzlichen Gewährleistung. Wer in Europa ein defektes OnePlus-Gerät reklamiert, bekommt derzeit oft keine Reparatur und keinen Austausch, sondern einen Gutschein. 100 Euro für den hauseigenen Online-Shop, verbunden mit so vielen Bedingungen, dass am Ende meist nichts Passendes übrig bleibt. In Reddit-Foren kursiert dafür längst der Begriff „Europe Exit Scam“ — und die leeren Shop-Regale sprechen eine deutliche Sprache. Ein Gutschein, der kaum einzulösen istDer Ablauf, den mehrere Nutzer schildern, ist immer derselbe. Ein Zubehörteil wie die OnePlus Buds Pro 2 geht innerhalb der Gewährleistungsfrist kaputt, OnePlus erklärt das Produkt für „End of Life“ oder nicht lieferbar — und bietet als Ersatz einen 100-Euro-Gutschein an. Der lässt sich ausschließlich im OnePlus-Onlineshop einlösen, nicht mit ohnehin reduzierten Artikeln kombinieren, nicht für künftige Reparaturen verwenden und verfällt innerhalb eines Monats. Das Problem dahinter: Die europäischen OnePlus-Shops laufen leer. Viele Kategorien sind ausverkauft, und was noch verfügbar ist, steht oft im Angebot — womit sich der Gutschein laut den Bedingungen genau dort nicht anwenden lässt. Ein Anspruch auf Reparatur wird so in ein Guthaben umgewandelt, das ins Leere zeigt. Warum das die Gewährleistung nicht erfülltHier lohnt der nüchterne Blick auf die Rechtslage. Wer ein Gerät direkt bei OnePlus gekauft hat, hat gegenüber OnePlus als Verkäufer zwei Jahre lang einen gesetzlichen Gewährleistungsanspruch. Der sieht bei einem Mangel eine klare Reihenfolge vor: Nacherfüllung, also Reparatur oder Ersatz — und erst wenn das scheitert, Minderung oder Rückerstattung. Ein zeitlich befristeter Gutschein steht in dieser Kette nirgends. Gesetzliche Gewährleistung ist kein Kulanz-Geschenk des Herstellers, sondern ein Anspruch. Das musste ich schon mehr als einem im Bekanntenkreis erklären, der sich mit einem Ersatz-Gutschein abspeisen ließ, statt auf Reparatur oder Erstattung zu bestehen. Genau deshalb landen die Fälle jetzt beim Europäischen Verbraucherzentrum, wo Betroffene den Vorgang als unlautere Praxis und Bruch der Gewährleistung melden. Rückzug auf RatenDie Warteschlange an Beschwerden fällt in eine größere Bewegung. Berichten zufolge fährt OnePlus sein Geschäft in Europa, den USA und Großbritannien herunter, räumt Lagerbestände ab und verlagert den Schwerpunkt nach Indien und China; im Gespräch ist, die Marke künftig nur noch als Ableger von Oppo weiterzuführen. Offiziell bestätigt ist dieser Rückzug nicht — OnePlus äußert sich weder zu den Gewährleistungsvorwürfen noch zu den Berichten über den Teilausstieg. Ins Bild passt es trotzdem. Erst kürzlich stand derBericht im Raum, OnePlus und Realme sollten ganz auf Oppos ColorOS wechseln— ein weiteres Signal, dass die Eigenständigkeit der Marke schrumpft. Wer die Entwicklung von OnePlus vom Enthusiasten-Liebling zur konzernintern eingegliederten Zweitmarke verfolgt hat, sieht hier weniger einen Bruch als das vorläufige Ende einer langen Linie. Einen Markt zu verlassen, ist an sich nichts Ehrenrühriges — Firmen ziehen sich zurück, das gehört dazu. Der Weg über wertlose Gutscheine und ausgedünnte Lager ist es aber sehr wohl: Er verschiebt die Kosten des Ausstiegs auf die Kundschaft, die noch mit einem funktionierenden Anspruch dasteht. Wer ein OnePlus-Gerät in der Zwei-Jahres-Frist hat, sollte einen solchen Gutschein nicht als Lösung akzeptieren, sondern schriftlich und mit Frist auf Nacherfüllung bestehen — und im Zweifel das Verbraucherzentrum einschalten. Ein Anspruch verschwindet nicht, nur weil ein Hersteller die Regale leerräumt. ◆ Über den AutorAlexander BaumgärtnerSeit über 20 Jahren in der IT — mit allem, was dazugehört: abgestürzten Servern um zwei Uhr nachts, Migrationen, die laut Plan eine Stunde dauern sollten, und Kunden, die "schnell mal" eine neue Software brauchen. Hauptberuflich führe ich die ProMedia24, eine kleine IT-Firma in Wallenhorst bei Osnabrück. Auf Blogspan. net schreibe ich über IT-Themen, die mich interessieren oder wo ich glaube, dass jemand genauer hinschauen sollte: Server, Cloud, Sicherheit, KI, Hardware, gelegentlich auch Foto-Equipment oder Smarthome — wenn es technisch genug ist, landet es hier. Schreibstil: lieber konkret als geschwurbelt, gerne auch mal kritisch.