Pilotversuch im Libanon: USA forcieren Rolle der libanesischen. . .
Joseph Aoun ließ sich lange bitten für seine Visite im Weißen Haus. US-Präsident Donald Trump hatte ursprünglich eine gemeinsame Einladung für den libanesischen Staatschef und für Benjamin Netanyahu nach. . .
Joseph Aoun ließ sich lange bitten für seine Visite im Weißen Haus. US-Präsident Donald Trump hatte ursprünglich eine gemeinsame Einladung für den libanesischen Staatschef und für Benjamin Netanyahu nach Washington ausgesprochen. Dies sollte die historische Aussöhnung zwischen dem Libanon und Israel signalisieren. Offiziell sind die Nachbarn im Kriegszustand, de facto führt Israel nur Krieg gegen die Hisbollah. Doch Aoun, ein früherer Armeechef, verwahrte sich zunächst gegen die Avancen aus Washington. Der Ex-General verweigerte auch ein Telefonat mit dem israelischen Premier. Schließlich hat die israelische Armee im Süden des Libanon, einer Hochburg der Hisbollah, eine bis zu zehn Kilometer breite Pufferzone errichtet. Die Kämpfe gegen die pro-iranische Terrororganisation haben rund eine Million Libanesen vertrieben. Ein Teil ist inzwischen wieder in ihre oft verwüsteten Dörfer und Städte zurückgekehrt. Am Dienstag war es aber so weit: Trump empfing Aoun zu einem Einzelgespräch – ohne Netanyahu. Israels Premier hatte erst einen Washington-Besuch für das vergangene Wochenende angekündigt, um ihn dann kurzfristig abzusagen – was freilich auch eine Absage des bereits einmal verschobenen Israel-Besuchs Christian Stockers in dieser Woche nach sich zog. Israel pocht auf MilitärpräsenzNetanyahu will nun Ende Juli zum Begräbnis des US-Senators Lindsey Graham in die USA reisen und zugleich das Gespräch mit Trump suchen. Netanyahu und eine Reihe von israelischen Politikern würdigten den republikanischen Senator als großen „Freund Israels“. Der israelische Premier ist inzwischen im Wahlkampfmodus, und er will den US-Präsidenten von einer harten Linie gegen den Iran und die Hisbollah überzeugen. Israel pocht auf eine Militärpräsenz im Libanon und lehnt einen Rückzug seiner Truppen bisher vehement ab, wie dies die Trump-Regierung fordert. Im Zuge der Iran-Verhandlungen hat die Trump-Regierung Druck auf Israel ausgeübt, um eine Waffenruhe zu erreichen. Zugleich urgieren die USA auch einen Abzug israelischer Truppen aus einer Pufferzone in Syrien, wo sich Israel in der Grenzregion südlich von Damaskus als Schutzmacht der Drusen geriert. Die Minderheit lebt dies- und jenseits der syrischen Grenze, auch auf den von Israel annektierten Golanhöhen. Ein Test für den Abzug IsraelsIm Libanon hat indessen ein Pilotprojekt gestartet. In mehreren Ortschaften im Süden des Landes sollen libanesische Truppen in sogenannten Pilotzonen nach und nach die Kontrolle von israelischen Einheiten übernehmen. Es ist ein Test für den Abzug Israels. Auf die libanesische Armee kommt dabei die heikle Aufgabe der Entwaffnung der Hisbollah zu. In Teilen haben die chronisch unterfinanzierten libanesischen Streitkräfte im Vorjahr die Entwaffnung der geschwächten Hisbollah vorangetrieben, bis die Terroristen-Miliz zwei Tage nach Beginn des Iran-Kriegs neuerlich mit Angriffen gegen Israel losschlugen. Daraufhin drang Israel in libanesisches Territorium vor. Verhandlungen unter US-VermittlungAuch das US-Militär ist in die Umsetzung des Rahmenabkommens involviert, das der Libanon und Israel unter Vermittlung der USA abgeschlossen haben. Die Gespräche begannen im Frühjahr in Washington unter der Ägide des US-Außenministeriums und Marco Rubios. Es waren die ersten Direktgespräche zwischen israelischen und libanesischen Diplomaten – den Botschaftern der beiden Staaten in den USA –, während zugleich im Süden des Libanon die Kämpfe mit der Hisbollah tobten. Nach den ersten Gesprächsrunden in Washington fanden die Verhandlungen jüngst eine Fortsetzung in der US-Botschaft in Rom – mit handfesten Ergebnissen wie den „Pilotzonen“. Zum Auftakt seines Washington-Besuchs kam Aoun am Sonntag mit Außenminister Rubio zusammen. Der US-Chefdiplomat würdigte die Bemühungen der Regierung in Beirut, den „Weg des Friedens“ einzuschlagen. Er sagte dem Libanon Hilfe zu, insbesondere wohl Finanz- und Militärhilfe. Von Trump erhoffte sich der libanesische Präsident eine tatkräftige Umsetzung jenseits freundlicher Worte. . „Es ist Zeit für Sicherheit und Stabilität im Libanon“, sagte Aoun. Schutzmacht FrankreichDie USA haben bei der Vermittlung Frankreich ausgebremst, das sich traditionell als Schutzmacht des Libanon versteht. Nur zu gern hätte Präsident Emmanuel Macron die Gespräche in Paris organisiert. Er hat das Land oftmals besucht und um Unterstützung geworben. Doch Israel sprach sich dezidiert gegen eine französische Vermittlerrolle aus. Seit Frankreich einen Palästinenserstaat anerkannt hat, sind die Beziehungen zwischen Jerusalem und Paris massiv gestört. Hinter den Kulissen wirkte Frankreich auch bei der Wahl Joseph Aouns zum Präsidenten im Jänner 2025 mit, nachdem die Staatsspitze in Beirut zwei Jahre vakant gewesen war. Die Parteien waren zuvor daran gescheitert, gemäß dem libanesischen Proporzmodell einen Konsenskandidaten zu nominierenMehr dazu