Politologe: USA und Israel haben keine gemeinsamen Ziele mehr
Trotz Rahmenabkommen für einen Frieden zwischen den USA und dem Iran kämpfen Israel und die Hisbollah weiter. Peter Lintl von der Stiftung Wissenschaft und Politik sieht Israel in einer sehr schwierigen Situation.

picture alliance / SIPA | RONEN ZVULUN/POOLBild:picture alliance / SIPA | RONEN ZVULUN/POOLDownload (mp3, 11 MB)Interview-Politologe: USA und Israel haben keine gemeinsamen Ziele mehrTrotz Rahmenabkommen für einen Frieden zwischen den USA und dem Iran kämpfen Israel und die Hisbollah weiter. Peter Lintl von der Stiftung Wissenschaft und Politik sieht Israel in einer sehr schwierigen Situation. Seit Sonntag laufen Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran in der Schweiz. Israel ist nicht mit am Tisch, auch Gefechte zwischen Israel und der vom Iran unterstützten Terrormiliz Hisbollah im Libanon gibt es nach wie vor. Der Iran hat deswegen die Straße von Hormus wieder blockiert. Peter Lintl ist Experte bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin mit Schwerpunkt Israel. Er sieht Israel derzeit in einer sehr schlechten Ausgangsposition: "Es wird über ihre Köpfe verhandelt, aber gleichzeitig wird ihre Handlungsfreiheit eingeschränkt, nämlich zum Beispiel im Libanon. […] Die strategische Ausgangslage dieser Verhandlungen für Israel ist extrem schwer. "Lintl: Israel hat kein Interesse an FriedensverhandlungenIsrael hätte vermutlich auch gar kein Interesse an Friedensverhandlungen, so der Experte: "Die Israelis würden gerne noch härter in Iran zuschlagen. Trump hingegen sieht sich konfrontiert mit einer bröckeligen Weltwirtschaft durch die Straße von Hormus und ist quasi in gewisser Maße ausmanövriert worden. Das heißt, die gemeinsamen Ziele, die man hatte, sind jetzt vollkommen divergiert. Man hat keine gemeinsamen Ziele mit den USA im Moment mehr. "In Israels Medien wird der USA-Iran-Deal als Katastrophe bezeichnet. Lintl erklärt, dass alle für Israel kritischen Fragen gar nicht oder nicht im Sinne Israels adressiert würden: Wie es mit dem ballistischen Raketenprogramm und dem Atomprogramm des Irans weitergehe beispielsweise. Der israelische Ansatz scheine zu sein, sagt Lintl, Hisbollah vollständig zerstören zu wollen. "Gleichwohl muss man natürlich auch sagen, dass das kaum gelingen wird. Von daher, ist meine Erwartung, dass Trump doch so viel Druck ausüben wird, dass irgendwann eine Waffenruhe einkehren wird. "Auch auf rbb24inforadio. depicture alliance/KEYSTONE | URS FLUEELERInterview-Nouripour (Grüne): Iran ist jetzt eine MilitärdiktaturDas Regime in Teheran feiert das vorläufige Rahmenabkommen zwischen dem Iran und den USA als vollen Erfolg und scheint gestärkter denn je. Omid Nouripour (B90/Grüne) sieht eine bedingungslose Kapitulation der USA. picture alliance / ZUMAPRESS. com | Israeli Prime Minister Office aInterview-Melzer über Friedensdeal: Israel parteiübergreifend entsetztDie USA und der Iran haben eine Absichtserklärung für ein Kriegsende unterzeichnet. Israel sieht sich nicht als Teil des Deals - und startet erneut Angriffe auf den Libanon. Ralf Melzer von der Friedrich-Ebert-Stiftung hält ein zeitnahes Kriegsende für unwahrscheinlich. IMAGO / ANI NewsInterview-Politikwissenschaftler: "Der Iran hat sehr gut verhandelt"Das von den USA und dem Iran unterschriebene Abkommen, das die Kriegshandlungen beendet und weitere Verhandlungen vorsieht, bringt dem Iran viel, sagt der Politikwissenschaftler Sascha Lohmann - und Donald Trump in Erklärungsnot.