Rasen einfach anmalen? Die umstrittene Methode aus den USA!
In den USA wird vertrockneter Rasen einfach grün angesprüht. Ein Dienstleister zieht mit dem Rückenspritzgerät über die braunen Halme, an einem sonnigen Tag ist die Farbe nach fünf Minuten trocken und hält. . .

In den USA wird vertrockneter Rasen einfach grün angesprüht. Ein Dienstleister zieht mit dem Rückenspritzgerät über die braunen Halme, an einem sonnigen Tag ist die Farbe nach fünf Minuten trocken und hält bis zum nächsten Mähen. Die Deutsche Rasengesellschaft mit Sitz in Bad Honnef ist von den Ergebnissen allerdings nicht begeistert. 75 Cent pro QuadratmeterFür die Dienstleistung gibt es in den USA eine eigene Berufsbezeichnung: Lawn Painter, Rasenmaler. Die Preise reichen je nach Anbieter und Region von etwa 75 US-Cent bis rund 8,60 Dollar pro Quadratmeter. Ein Kanister Konzentrat deckt nach Herstellerangaben je nach Farbtiefe rund 460 bis 650 Quadratmeter ab. Man könnte meinen, die Sprühflasche sei die Erfindung dieses Dürresommers. Die Chronologie widerspricht. Als Kalifornien 2015 in der historischen Dürre steckte, kostete ein durchschnittlicher Auftrag laut einem damaligen Bericht der „New York Times" etwa 300 Dollar; der Anbieter Drew McClellan hatte nach eigenen Angaben mehr Anfragen, als er annehmen konnte. Der Hersteller LawnLift aus San Diego meldete für dieses Jahr eine Verdreifachung seiner Verkäufe. 500 Dollar Strafe für den RasensprengerDen politischen Rahmen dazu setzte Gouverneur Jerry Brown: Er verordnete im April 2015, Zierrasen höchstens zwei Tage pro Woche zu bewässern, mit Bußgeldern von bis zu 500 Dollar. Gleichzeitig stiegen beim Wasserverbund Südkaliforniens die Anträge auf Rasen-Rückbau von 9. 200 Quadratmetern im Januar auf 232. 000 im Juli. Manche rissen ihren Rasen also heraus, andere strichen ihn an. Auf Golfanlagen gehören Rasenfarben seit Jahrzehnten zum Handwerk — dort geht es um Flächen, die bespielbar und gleichmäßig grün bleiben sollen. Hans Blossey/IMAGOUnd noch länger zurückreicht die Technik selbst: Auf Golfanlagen und in Stadien werden Rasenfarben seit Jahrzehnten eingesetzt – damit Flächen im Fernsehen gleichmäßig grün wirken oder im Winter nicht gelb aussehen. „Manchmal wird es im Sommer eben braun" – ein Fachmann winkt abFür Dr. Harald Nonn, den Vorsitzenden der Deutschen Rasengesellschaft, ändert die Farbe an der Sache nichts. In einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung" vom 13. August 2022, das der Verband anschließend als Stellungnahme veröffentlichte, zählte er auf, was ein vertrockneter Rasen nicht leistet: kein Kohlendioxid binden, keinen Sauerstoff produzieren, die Umgebungsluft nicht kühlen, keine brauchbare Spiel- und Erholungsfläche bieten. Als Agrarwissenschaftler wies er zugleich darauf hin, dass Rasen im Jahresverlauf ohnehin die Farbe wechselt – im Sommer eben auch ins Braune. Wie zäh Gräser dabei sind, hat eine Untersuchung der Hochschule Osnabrück vermessen, veröffentlicht in der Fachzeitschrift „Rasen-Turf-Gazon". Am widerstandsfähigsten gegen Trockenstress waren Rotschwingel und Raublättriger Schwingel; Deutsches Weidelgras und Rohr-Schwingel litten am stärksten – erholten sich in der Regenerationsphase dafür am schnellsten. Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Haben Sie Ideen oder Informationen für die Redaktion? Bitte schreiben Sie uns:leser-bk@berlinerverlag. com