Rohmilch-Boom in den USA: Warum Experten vor dem Trend warnen
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Das ist ein Artikel vom Top-Thema:Rohmilch-Trend© stock. adobe. com/dth48Immer mehr Amerikaner trinken Rohmilch. Experten sehen darin ein deutlich erhöhtes Gesundheitsrisiko. Artikel anhören1x0:00Wiebke Herrmann, agrarheuteam 26. 07. 2026 - 10:17 UhrPolitische Unterstützung befeuert den Rohmilch-Trend – trotz wiederholter Krankheitsausbrüche und Produktrückrufe. Rohmilchgilt in den USA längst nicht mehr als Nischenprodukt. Angetrieben von Wellness-Trends, einem wachsenden Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen und politischer Unterstützung steigt die Nachfrage deutlich. Nach Angaben aus den USA trinken inzwischen mehr als zehn Millionen Menschen regelmäßig Rohmilch. Zwischen 2023 und 2024 legten die wöchentlichen Verkaufszahlen demnach um rund 65 Prozent zu. Warum Fachleute vor Rohmilch eindringlich warnenRohmilch wird im Gegensatz zuherkömmlicher Milch nicht pasteurisiert. Das bedeutet, dass sie keiner Wärmebehandlung unterzogen wird, die krankmachende Keime abtötet. Genau darin sehen Fachleute das Problem. Nach Einschätzung von Wissenschaftlern und Gesundheitsbehörden gibt es keine belastbaren Belege dafür, dass Rohmilch ernährungsphysiologische Vorteile gegenüber pasteurisierter Milch bietet oder Krankheiten heilen kann. Gleichzeitig besteht ein deutlich höheres Risiko für Infektionen mit Krankheitserregern wie Salmonellen, E. coli, Campylobacter oder Listerien. Besonders gefährdet sind Kleinkinder, ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem. Raw Farm: Größter Rohmilchproduzent der USA setzt auf LaborkontrollenZu den bekanntesten Anbietern gehört die kalifornische Raw Farm des Landwirts Mark McAfee. Nach eigenen Angaben setzt das Unternehmen jährlich rund 30 Millionen US-Dollar um und gilt als größter Rohmilchproduzent der USA. McAfee präsentiert seinen Betrieb als Vorreiter für besonders strenge Hygienekontrollen. Jede Milchcharge werde auf Salmonellen, E. coli, Campylobacter und Listerien untersucht. Diese Keime stammen aus dem Darm von Rindern und können bereits durch kleinste Verunreinigungen in die Milch gelangen. Beim Menschen reichen die möglichen Folgen von Durchfall und Erbrechen bis hin zu Nierenversagen oder einer Blutvergiftung. Kontaminierte Rohmilch wurde teilweise zu Käse verarbeitetNach Recherchen des US-Mediums ProPublica wurden jedoch nicht alle auffälligen Chargen entsorgt. Demnach bestätigte McAfee, dass mit bestimmten Krankheitserregern belastete Rohmilch teilweise zur Käseherstellung verwendet wurde. Nur bei einem Nachweis von Salmonellen sei die Milch entsorgt oder pasteurisiert worden. Die Annahme, dass Rohmilchkäse grundsätzlich sicher sei, widerspricht wissenschaftlichen Erkenntnissen. Zwar kann eine Reifung das Risiko verringern, schädliche Bakterien können den üblichen Reifeprozess jedoch überleben. Rückrufe und Krankheitsausbrüche bremsen den Rohmilch-Trend nichtRaw Farm war in den vergangenen Jahren wiederholt mit Produktrückrufen und Krankheitsausbrüchen in Verbindung gebracht worden. Nach Angaben von ProPublica führten diese Vorfälle zu Erkrankungen zahlreicher Verbraucher. Auch Behörden hätten den Betrieb mehrfach wegen Verstößen gegen Vorschriften beanstandet. Trotzdem wächst die Branche weiter. Rohmilch hat sich in Teilen der USA zu einem politischen Symbol entwickelt. Viele Anhänger sehen in ihr ein Zeichen für natürliche Ernährung und persönliche Freiheit. Robert F. Kennedy Jr. stärkt der Rohmilch den RückenZusätzlichen Rückenwind erhielt die Bewegung durch den heutigen US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. Bereits während seines Wahlkampfs hatte er die staatliche Regulierung von Rohmilch kritisiert und sich öffentlich für ihren Konsum ausgesprochen. Kritiker sehen darin ein problematisches Signal. Während Gesundheitsbehörden und Wissenschaftler seit Jahrzehnten vor den Risiken nicht pasteurisierter Milch warnen, erfährt die Branche zunehmend politische Unterstützung. Warum Rohmilch trotz Kontrollen ein Gesundheitsrisiko bleibtSelbst umfangreiche Laboruntersuchungen ändern nach Ansicht von Fachleuten nichts an einem grundlegenden Problem: Rohmilch kann aufgrund ihrer Herstellung niemals vollständig frei von Krankheitserregern garantiert werden. Das Risiko einer Verunreinigung bleibt bestehen, weil Bakterien aus dem Darm der Tiere bereits durch kleinste Kotspuren in die Milch gelangen können. Deshalb empfehlen Gesundheitsbehörden weiterhin den Verzehr pasteurisierter Milch und daraus hergestellter Produkte – insbesondere für Kinder, Schwangere sowie ältere oder immungeschwächte Menschen. MilchNutztierhaltungRohmilchTierhaltung