Schattennetzwerk China-Zollumgehung: USA nennen über 40 Länder als Umschlagplätze
Die USA wollen künstliche Intelligenz einsetzen, darunter ein System namens Detective Border. Es soll im Rahmen eines umfassenderen Vorgehens gegen Zollumgehung Versanddaten und Transportwege auswerte

leinetal24WeltStand:14. 08. 2026, 13:30 UhrKommentareDie USA wollen künstliche Intelligenz einsetzen, darunter ein System namens Detective Border. Es soll im Rahmen eines umfassenderen Vorgehens gegen Zollumgehung Versanddaten und Transportwege auswerten, um illegale Umladungen aufzudecken und zu ahnden. Washington, D. C. — Die US-Zoll- und Grenzschutzbehörde Customs and Border Protection führt diese Instrumente ein, um Ursprungsangaben über komplexe Logistikketten hinweg nachzuverfolgen. Dabei nimmt sie Praktiken ins Visier, mit denen chinesische Waren nach Angaben von Regierungsvertretern durch geringfügige Montage, neue Kennzeichnung oder Umverpackung als Produkte anderer Länder ausgegeben werden. Die USA zahlen täglich rund drei Milliarden Euro Zinsen zurück. © Jacquelyn Martin/dpaDie Initiative folgt auf einen Bericht des Weißen Hauses, in dem mehr als40 Länderals mutmaßliche Zwischenstationen für die Umleitung chinesischer Exporte zur Umgehung von US-Zöllen genannt werden. Indien, Mexiko, Kanada, dieEuropäische Union, Japan, Südkorea,Taiwanund Brasilien gehören demnach zu den wichtigsten Umschlagplätzen. Drei RisikostufenDer Bericht ordnet die Länder drei Risikostufen zu: Die erste Stufe umfasst Länder mit den absolut größten Mengen potenziell umgeleiteter Waren innerhalb umfangreicher legitimer Warenströme. Zur zweiten Stufe gehören Volkswirtschaften, die als wichtige regionale Produktions- und Logistikstandorte dienen. Die dritte Stufe umfasst kleinere Volkswirtschaften mit geringeren Mengen, aber besonderen Vorteilen wie wenig restriktiven Freihandelszonen, strategisch gelegenen Häfen, Zolllagern, begrenzten Zollkapazitäten, bevorzugtem Marktzugang oder spezialisierten Montagebetrieben. Die öffentliche Nennung der Zwischenländer ist Teil einer Kampagne zur konsequenten Durchsetzung der Handelspolitik, mit der Partner dazu gedrängt werden sollen, sich der US-Zollpolitik anzuschließen. Jüngste Handelsvereinbarungen mit Ländern wie Vietnam und Indonesien enthalten Bestimmungen zur Eindämmung von Umladungen. Regierungsvertreter verweisen zudem auf Schwierigkeiten bei der Durchsetzung: Es sei schwer, legitime Umladungen innerhalb integrierter Lieferketten von betrügerischer Zollumgehung zu unterscheiden. Außerdem warnen sie, die Beförderung chinesischer Produkte über sogenannte Nearshoring-Korridore wie Mexiko oder Kanada könne eine nahezu vollständige Umgehung der Zölle ermöglichen. Der große UmladebetrugDer von Peter Navarro verfasste Bericht mit dem Titel The Great Transshipment Scam bezeichnet illegale Umladungen als Diebstahl von mehreren zehn Milliarden Dollar aus der Staatskasse. Chinesische Exporteure hätten äußerst ausgefeilte Methoden eingesetzt, um den Warenursprung zu verschleiern. Seit der Einführung der Zölle nach Abschnitt 301 im Jahr 2018 habe diese Praxis Berichten zufolge zugenommen. Dem Bericht zufolge liegt der jährliche Wert illegal umgeladener Waren zwischen 34,2 Milliarden und 303 Milliarden Dollar. Die damit verbundenen Einnahmeverluste des Bundes beliefen sich auf 19 Milliarden bis 26 Milliarden Dollar. Ausgehend von der Annahme jährlicher Umladungen im Wert von 75 Milliarden Dollar kommt die Analyse zu dem Schluss, dass diese Praxis die Vereinigten Staaten etwa 450. 000 Arbeitsplätze und bis zu 150 Milliarden Dollar an Bruttoinlandsprodukt gekostet habe. Dem Bericht zufolge erweckte die Umleitung chinesischer Produkte den Eindruck sinkender Direktimporte aus China, währendPekingseinen Industriesektor weiter ausbauen konnte. Dieser Trend zeige sich in den US-Importdaten: Die direkt aus China bezogenen Waren sanken 2025 auf ein 16-Jahres-Tief, während die Einfuhren aus Mexiko und Vietnam deutlich zunahmen. Unterschiedliche Zollsätze für Handelspartner eröffneten zudem Möglichkeiten für Arbitrage und Zollumgehung. Aufgrund dieser Unterschiede könne es sich lohnen, Waren über Staaten oder Gebiete umzuleiten, für die niedrigere Zölle gelten. Als Beispiel nennt der Bericht einen Zollsatz von 15%, den die EU auf die meisten aus China importierten Produkte erhebt. Der Bericht des Weißen Hauses beschreibt ein „Schattennetzwerk für Umladungen“. Rund 40 Länder wiesen demnach innerhalb eines Netzwerks, das sich über Produktions- und Logistikketten erstrecke, ein hohes Risiko für die Weiterversendung von Waren auf. Ein wachsender Anteil der Produkte werde vor dem Eintreffen in den Vereinigten Staaten weitergeleitet, auch wenn die Analyse keinen genauen Anteil nennt. Als Beispiel hebt der Bericht den Produktionsgürtel Pune-Gujarat-Chennai in Indien hervor, der für den Mittleren Westen der USA bestimmte Pumpen und Kompressoren aufnehme. Navarro sagte: „Eine chinesische Pumpe, die Pune als indisches Produkt verlässt, ist eine Pumpe, die nicht in Cincinnati, Dayton oder Columbus gefertigt wurde. “ Der Bericht bringt diese Praxis mit Arbeitsplatz- und Produktionsverlusten in den USA sowie umfassenderen Störungen industrieller Lieferketten in Verbindung, wieIndia Todayberichtete. Abgestufte RisikomatrixIn seiner abgestuften Risikomatrix ordnet der Bericht Kanada, die EU, Indien, Israel, Japan, Mexiko, Südkorea und Taiwan wegen der Mengen umgeladener Waren innerhalb umfangreicher Handelsströme der Stufe eins zu. Brasilien, Indonesien, Malaysia, Thailand, die Türkei und Vietnam werden als wichtige regionale Produktions- und Logistikstandorte der Stufe zwei zugeordnet. Die dritte Stufe umfasst kleinere Volkswirtschaften mit geringeren absoluten Mengen, aber erheblichen Schwachstellen oder Anreizen. Als Faktoren nennt der Bericht niedrige Arbeitskosten, wenig restriktive Freihandelszonen, strategisch gelegene Häfen, Zolllager, begrenzte Zollkapazitäten, spezialisierte Montagebetriebe und bevorzugten Zugang zum US-Markt. Chile wird in Stufe drei geführt. Auch Argentinien ist dieser Stufe zugeordnet und wird neben Brasilien, Chile, Kolumbien und Peru unter den lateinamerikanischen Korridoren aufgeführt, über die Waren über pazifische und atlantische Routen, Zolllager und regionale Montagebetriebe umgeleitet werden. Der Bericht weist darauf hin, dass die Einordnung in diese Stufen allein noch keine Feststellung illegaler Aktivitäten darstelle. Sie kennzeichne vielmehr Risiken der Weiterversendung, die in einigen Fällen in ansonsten legitime Handelsströme eingebettet seien. Zudem verweist der Bericht auf frühere Mitteilungen des Weißen Hauses, in denen das Problem der Umladungen mit dem Bild eines Trojanischen Pferdes veranschaulicht und die Praxis als Trittbrettfahren bei den während der Trump-Regierung geschlossenen Zollvereinbarungen bezeichnet wurde. Der Bericht wurde vor einem für September geplanten Besuch des chinesischen PräsidentenXi Jinpingin den Vereinigten Staaten veröffentlicht. Zuvor hatte Präsident Donald Trump Xi bei einer Reise nach Peking im Mai öffentlich gelobt. Chinesische Vertreter widersprachen der Darstellung und den Auswirkungen der US-Maßnahmen. „China vertritt die Auffassung, dass einseitige Maßnahmen oder Vereinbarungen zu umgeladenen Waren nicht gegen Dritte gerichtet sein oder deren Interessen schädigen dürfen“, sagte ein Sprecher der chinesischen Botschaft. Weiter erklärte er: „Zoll- und Handelskriege haben keine Gewinner. Protektionismus schadet den gemeinsamen Interessen aller Länder und steigert nicht die Wettbewerbsfähigkeit der Länder, die ihn betreiben“, wie dieBBCberichtete. (Redaktion)