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Top500: Chinas LineShine überholt die USA ohne US-Chips

Seit dem Sunway TaihuLight von 2017 stand kein chinesischer Rechner mehr an der Spitze der Top500. Mit der 67. Ausgabe der Liste vom Juni 2026 ist diese Pause vorbei: Ein System namens LineShine aus dem. . .

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Top500: Chinas LineShine überholt die USA ohne US-Chips

Seit dem Sunway TaihuLight von 2017 stand kein chinesischer Rechner mehr an der Spitze der Top500. Mit der 67. Ausgabe der Liste vom Juni 2026 ist diese Pause vorbei: Ein System namens LineShine aus dem National Supercomputing Center in Shenzhen führt das Ranking an — und reißt nebenbei eine Marke ein, an der sich die Branche jahrelang abgearbeitet hat. 2,198 Exaflops im Linpack-Benchmark, der erste Rechner überhaupt jenseits der Zwei-Exaflops-Schwelle. Der eigentliche Aufreger steckt aber nicht in der Zahl, sondern in der Stückliste. Eine Spitzenmaschine ohne einen einzigen US-ChipLineShine, in China auch Ling Cheng genannt, läuft komplett auf heimischer Hardware. Die Prozessoren heißen LineShine-LX2, basieren auf ARMv9 und packen je 304 Kerne auf einen Chip. 45. 360 davon ergeben zusammen knapp 13,8 Millionen Kerne bei 1,55 GHz. Verbunden sind die Knoten über ein proprietäres Interconnect namens LingQi mit 200 Gigabyte pro Sekunde je Knoten, als Betriebssystem dient das Linux-Derivat Kylin OS. Kein Nvidia, kein AMD, kein Intel — und vor allem keine US-Beschleuniger, die unter Exportkontrolle stehen. Genau hier liegt die Botschaft. Während Washington seit Jahren an den Schrauben dreht, welche Chips überhaupt nach China dürfen, schiebt Shenzhen einen Rechner an die Spitze, der den ganzen Sanktionsapparat schlicht umgeht. Dass Chinaparallel beim Halbmetall Indium am Nadelöhr der KI-Lieferketten dreht, fügt sich ins selbe Bild: Pekings Antwort auf Exportkontrollen ist eigene Wertschöpfung. Brute Force statt BeschleunigerAuffällig ist, wie LineShine die Spitze erreicht — nämlich ohne GPUs. El Capitan in Kalifornien, jetzt auf Platz zwei mit 1. 809 Petaflops, holt seine Leistung aus dichten Beschleuniger-Knoten. Frontier auf Rang drei arbeitet genauso. LineShine dagegen ist eine reine CPU-Maschine, die ihre Rechenleistung über schiere Masse erzwingt: mehr Kerne, mehr Knoten, mehr Fläche. Das hat einen Preis, und zwar einen elektrischen. Unter Volllast zieht das System 42,22 Megawatt und landet bei 52,07 Gigaflops pro Watt. Solide, aber kein Spitzenwert — der effizienteste Rechner der parallel geführten Green500 kommt auf 73,3 Gigaflops pro Watt. Wer keine sanktionierten Beschleuniger bekommt, zahlt die Differenz eben in Strom und Stahl. Für ein staatlich finanziertes Prestigeprojekt geht diese Rechnung auf; in einer kommerziellen Cloud sähe sie anders aus. Was eine Linpack-Zahl sagt — und was nichtLinpack misst dichte lineare Algebra unter Idealbedingungen. Das korreliert nicht eins zu eins mit dem, was später als echte Last über die Maschine läuft. LineShine zeigt das selbst: Im praxisnäheren HPCG-Benchmark, der Speicherzugriffe stärker gewichtet, stehen nur noch 22 Petaflops zu Buche — ebenfalls Platz eins, aber ein Bruchteil der Linpack-Glanzzahl. Ich habe in über zwanzig Jahren genug Systeme gesehen, die im synthetischen Test brillierten und unter realer Last plötzlich zäh wurden — der Sprung von der Benchmark-Folie in den Dauerbetrieb ist selten so glatt, wie die Zahl verspricht. Bei einem Cluster dieser Größenordnung gilt das eher mehr als weniger. Bleibt der politische Beigeschmack. China hatte 2019 aufgehört, überhaupt Zahlen zu seinen Supercomputern einzureichen — dass dahinter längst mehrere Exascale-Systeme liefen, war ein offenes Geheimnis. Shenzhen spielt jetzt wieder offiziell mit, und schon das ist eine Ansage. Mich überzeugt der Rekord als Ingenieursleistung; als Beweis für Marktführerschaft überzeugt er mich nicht. Eine Maschine, die mit 13,8 Millionen Kernen und 42 Megawatt an El Capitans beschleunigte Knoten herankommt, demonstriert vor allem, dass Sanktionen den Weg teurer machen, aber nicht versperren. Genau das dürfte in Washington mehr Sorgen bereiten als die nackte Exaflops-Zahl.

Quelle: blogspan.net

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