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Unabhängig von den USA

Rekord für Kanada, Rekord für den deutschen Kriegsschiffbau: Der Auftrag zur Herstellung von bis zu zwölf U-Booten für die kanadische Marine, den TKMS sich soeben gegen starke Konkurrenz aus Südkorea. . .

Von Jörg Kronauer · · 2 min Lesezeit

Unabhängig von den USA

Rekord für Kanada, Rekord für den deutschen Kriegsschiffbau: Der Auftrag zur Herstellung von bis zu zwölf U-Booten für die kanadische Marine, den TKMS sich soeben gegen starke Konkurrenz aus Südkorea gesichert hat, stellt sämtliche bisherigen Geschäfte beider Beteiligten in den Schatten. Nie hat Kanada mehr Geld in ein Rüstungsprojekt gesteckt. Nie hat TKMS so viel mit einem Einzeldeal verdient: Von einer zweistelligen Milliardensumme, von vielleicht 20 Milliarden Euro, ist die Rede. Da mögen in Deutschland Kfz-Hersteller, Maschinenbauer und Chemiekonzerne Stellen en masse streichen, da mag die Produktion der Industrie schon seit Jahren sinken und die Forschung im internationalen Vergleich immer weiter zurückfallen: Kriegsgerät fertigen – das geht in der Bundesrepublik, ach was: in der Militärrepublik immer. Den Rekorddeal, auf den sich Ottawa und TKMS rechtzeitig zum NATO-Gipfel in Ankara geeinigt haben, zeigt dabei zweierlei. Das eine: Da wächst unter dem Dach der Allianz, aber zugleich immer unabhängiger von ihrer Vormacht, den USA, eine Teilgruppe von Staaten zusammen, die sich immer direkter gegen Russland formiert. »Sicherheitspartnerschaft für den Nordatlantik«: So nennt sich ein Zusammenschluss Deutschlands, Norwegens, Kanadas und Dänemarks, der im Kern den Atlantik gegen aus dem Nordmeer einfahrende russische Kriegsschiffe abschotten will. Noch nutzt er dafür Seefernaufklärer aus US-Produktion. Die Fregatten und U-Boote aber stammen aus Europa. Deutschland und Norwegen erhalten zusammen zwölf U-Boote des TKMS-Typs 212 CD, Kanada weitere zwölf: Mit 24 Stück kann künftig eine gewaltige U-Boot-Flotte im Nordatlantik gegen die russische Marine operieren – unabhängig von den USA. AnzeigeUnd nicht nur das. Auch die Gegengeschäfte, die mit dem U-Boot-Deal verbunden sind, zielen auf größere Eigenständigkeit Deutschlands und Kanadas gegenüber den Vereinigten Staaten. Der bundeseigene Gasimporteur Sefe will künftig eine Million Tonnen Flüssigerdgas pro Jahr in Kanada kaufen. Isar Aerospace will dort den Bau von Startinfrastruktur für seine Trägerraketen forcieren, um Satelliten ins All zu befördern. Ersteres ist ein Rückschlag für die US-Frackingindustrie, letzteres für Elon Musks Space X. Und, nebenbei, auch für die französische Raumfahrtbranche. Die europäische Konkurrenz zu den USA, die da entsteht – sie ist vor allem deutsch.

Quelle: jungewelt.de

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