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USA feiern 250. Geburtstag – doch die Kultur der Navajo-Indianer ist noch viel älter

Erst singen sie, Männer mit tiefen, vollen Stimmen, wiederholen dabei die immer gleichen Silben. Als Außenstehender versteht man kein Wort, fühlt aber fühlen, dass es Gebete sind und dem Gesang eine. . .

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USA feiern 250. Geburtstag – doch die Kultur der Navajo-Indianer ist noch viel älter

Erst singen sie, Männer mit tiefen, vollen Stimmen, wiederholen dabei die immer gleichen Silben. Als Außenstehender versteht man kein Wort, fühlt aber fühlen, dass es Gebete sind und dem Gesang eine spirituelle Kraft innewohnt. Wenn dann die große Trommel ertönt, rund und ein Symbol für den Kreislauf des Lebens, erklingt für die Navajo mehr als ein Schlaginstrument. Jeder pochende Ton steht bei ihnen für den Herzschlag der Vorfahren – und den von Mutter Erde. Angekündigt war eine „Native American Show“ von indigenen Künstlern, die unter dem Namen Red Heritage im Städtchen Page ihre Kultur präsentieren. Gerade noch hat man Tomas Hunt in Poloshirt, Jeans und Turnschuhen erlebt, als aufmerksamen Gastgeber, der Besucher begrüßt und zum Buffet lotst, damit jeder einen frittierten Teigfladen samt Riesenportion Chili con Carne bekommt (obwohl nicht ganz so authentisch, gibt es auch eine Alternative für Vegetarier). Für die Kulturperformance aber steht der 30-Jährige nun in Tracht auf der Bühne, mit Mokassins und bunt dekorierter Schürze. Darauf ist der Lebensbaum in Form eines Maisstängels zu erkennen und Kolibris, als ein Symbol für Schönheit. Ein traditioneller Tanz der Navajo bei der Red-Heritage-Show in Page. Foto: Helge BendlSeine Mutter hat an Spinnrad und Webstuhl gezeigt, wie in monatelanger Arbeit die berühmten Teppicheder Navajoentstehen. Tomas Hunt und seine Familie führen nun Tänze von Amerikas Ureinwohnern vor, deren Choreografie einem die Sprache verschlägt. Er selbst ist einer der besten Hoop-Dancer der USA und nutzt Reifen als Requisiten, die in irrer Geschwindigkeit um seinen Körper wirbeln. Seine Schwester flattert grazil wie ein Schmetterling über die Bühne. Beim Heilungstanz erzeugen Metallkegel einen Klangteppich, der an Regentropfen erinnert. Und beim Kriegstanz zeigt ein prächtig dekorierter Kämpfer, wie man mit Mut alle Hindernisse überwindet. Man dürfe gerne fotografieren, filmen und alles fragen, erklärt Tomas Hunt den Gästen seiner Show. Aber er hat eine Bitte. Man möge netterweise die richtigen Worte nutzen, um anderen vom Erlebnis zu erzählen. „Wir sind keine Schauspieler, die in Rollen schlüpfen und sich dafür ein paar Adlerfedern ins Haar stecken. Wir sind Native Americans. “Von „Kostümen“ zu sprechen, führe also in die Irre: „Was wir tragen, ist ein Ausdruck dessen, wer wir sind. “Im Staat der Navajos gelten eigene RegelnIn den USA gibt es 574 offiziell anerkannte indigene Gruppen und Nationen. Das größte Volk sind die Cherokee im Südosten, gefolgt von über 400. 000 Navajo, die sich selbst Diné nennen. Ein Teil lebt auf einem Areal von der Größe Bayerns in der Navajo Nation Reservation: Das größte „Indianerreservat“ der Vereinigten Staaten reicht von Arizona bis nach Utah und New Mexico. In diesem Staat im Staat, der den Navajo im Jahr 1868 von der US-Regierung per Vertrag zugeteilt wurde, gelten eigene Regeln. Außenstehende dürfen kein Land pachten und brauchen für Touren abseits der Hauptstraßen Genehmigungen, Alkoholkonsum ist tabu. Dass die Menschen zu kämpfen haben, belegt die miserable Infrastruktur und die Arbeitslosenquote von fast 50 Prozent. Neben dem Abbau von Kohle und Jobs bei der Regierung bietet aber der Tourismus Perspektiven: In der kargen Landschaft liegen einige der ikonischen Attraktionen der USA. Page liegt ganz im Norden Arizonas,wo der Colorado River zum Lake Powellaufgestaut wurde, die Rafting-Touren durch den Grand Canyon beginnen, und man vom Aussichtspunkt am Horseshoe Bend einen von Amerikas schönsten Sonnenuntergängen erlebt. Jenseits der Stadtgrenze und damit auf dem Land der Navajo Nation betreibt Jaslyn Begay das Familienunternehmen Tsé Bíghanílíní Tours. Der Name bedeutet so viel wie „Der Platz, an dem das Wasser durch die Felsen strömt“ und ist der Navajo-Namefür den oberen Abschnitt des Antelope Canyon. Mittags bringt die Sonne den Antelope Canyon zum LeuchtenZur Mittagszeit leuchtet die Sonne wie ein Scheinwerfer in die enge Schlucht und bringt den roten Sandstein zum Leuchten. Besichtigen darf man das Naturdenkmal nur mit einem Navajo-Guide, der dafür sorgt, dass niemand Müll, Graffiti oder die Asche von Verstorbenen hinterlässt (ja, auch letzteres kommt vor). Jaslyn Begays sieht sich als Hüterin dieses besonderen Ortes: Schließlich war es ihre Urgroßmutter, die den Antelope Canyon beim Hüten von Ziegen entdeckt hatte. Die Tiere, auf die das Mädchen eigentlich aufpassen sollte, waren plötzlich verschwunden – und tauchten erst 400 Meter später wieder auf. Zur Mittagszeit beginnt der schmale Antelope Canyon zu leuchten. Foto: Helge BendlDieses Jahr feiern die USA mit viel Pomp ihren 250. Geburtstag, denn mit der Verabschiedung der Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776 lösten sich 13 nordamerikanische Kolonien vom britischen Empire. Eigentlich hatte Jaslyn Begay also auf einen Besucheransturm gehofft. Stattdessen buchten schon im Frühling ein Drittel weniger Touristen als erwartet eine Tour. „Wir sind eine Geisel der Politik“, klagt sie: „Obwohl Menschen aus aller Welt bei uns immer willkommen waren, müssen wir nun ausbaden, was die Regierung anrichtet. “ Wer mit Guides spricht, die ohnehin nicht viel verdienen und nun den Gürtel noch enger schnallen müssen, hört statt diplomatischer Töne viele ziemlich derbe Kraftausdrücke: Da ist dann von „Arschloch“ und „Scheißkerl“ die Rede. Die Navajos wollen ihre Geschichte selbst erzählenSelbstverständlich sei sie Patriotin, stellt Jaslyn Begay klar. Überproportional viele Navajo dienen in der Armee, auch in ihrer Familie gibt es etliche Veteranen. Dieses Engagement hat Tradition: Während des Zweiten Weltkriegs kamen die „Navajo Code Talkers“ als menschliche Chiffriermaschinen zum Einsatz, weil weder Deutsche noch Japaner ihre Sprache verstanden. Der 250. Jahrestag der USA sei also durchaus ein Grund zu feiern. Obwohl das Versprechen von damals nicht für alle Menschen galt: „Native Americans haben mit der Unabhängigkeit keine Rechte bekommen. Es ist also an der Zeit, dass wir falsche Informationen korrigieren und unsere Geschichte endlich selbst erzählen. “ Für sie ist es auch eine Form der Selbstermächtigung, endlich den Zugang zum traditionellen Stammesgebiet kontrollieren zu können. „Es gibt viele hundert Orte wie den Antelope Canyon. Aber nur wenige Schluchten sind für Besucher geöffnet. Die anderen bleiben heilige Orte für uns Navajo – das muss man akzeptieren. “Im Monument Valley fährt man durch eine Hollywood-KulisseWas man aus alten Wildwestfilmen kennt, bleibt in Arizona aber kein Kopfkino. Im Monument Valley darf man sogar selbst durch die Hollywoodkulissefahren: Der 17-Mile-Loop führt zu Orten wie dem John Ford Point, wo John Wayne für den Klassiker „Der schwarze Falke“ vor der Kamera stand. Die Indianer vom Volk der Comanchen, an denen sich der Hauptdarsteller für das Niederbrennen seiner Ranch rächen will, wurden bei den Dreharbeiten von lokalen Navajo gespielt. Dass deren Gerede überhaupt keinen Sinn ergibt und dass die Navajo heute noch darüber schmunzeln, erzählt einem aber nur ein indigener Guide. Auch die Seitentäler zwischen den Tafelbergen, wo sich Felszeichnungen verbergen und eine gigantische Höhle samt Guckloch zum Himmel, sieht man nur bei einer geführten Tour im Geländewagen. Der Canyon de CHelly ist heiliges Stammesgebiet der Navajo-Indianer. Foto: Paule84x - stock. adobe. com„Yá’át’ééh!: Willkommen in der Heimat der Diné“ heißt es dann im Canyon de Chelly, weil in dessen Tälern bis heute Navajo-Familien leben. Felszeichnungen belegen, dass hier bereits vor rund 5000 Jahren gesiedelt wurde, früher als an jedem anderen Ort auf dem Colorado-Plateau. Als White House Ruin wird kein umstrittener neuer Ballsaal fürs Weiße Haus bezeichnet, sondern eine Felsensiedlung der Pueblo-Kultur aus dem zwölften Jahrhundert. Ein Trail führt steil hinunter in die Vergangenheit. Im Canyon de Chelly begann für die Navajos ein kollektives TraumaFür die Navajos hat der Canyon de Chelly eine Bedeutung wie kein anderer Ort. Hier wurden sie 1864 von Regierungstruppen aufgespürt, belagert und dann zwangsweise umgesiedelt: Der „Lange Marsch“ mit vielen tausend Toten ist bis heute ein kollektives Trauma. Doch eine besondere Felsformation ist auch ein Ort, der Hoffnung macht: Die zwei fast 250 Meter hohen Felsnadeln des Spider Rock sollen der Legende nach das Zuhause von Na‘ashjé‘íí Asdzáá sein. Die der Spinnenfrau fängt zwar angeblich gerne Kinder ein, die sich nicht zu benehmen wissen. Doch ansonsten hat die Dame nur positive Eigenschaften und gilt als ein Wesen, das die Menschen vor jeglichem Schaden bewahrt …***Der Autor recherchierte auf Einladung von CRD Touristik und Visit Arizona. Informationen für USA-Reisen auf Spuren der NavajosAnreise: Mit Lufthansa (www. lufthansa. com) von München via Denver nach Phoenix in Arizona. Deutsche Touristen benötigen kein Visum, müssen aber rechtzeitig vor Abreise die elektronische Einreisegenehmigung ESTA beantragen (rund 35 Euro, per ESTA Mobile App oderonline: https://esta. cbp. dhs. gov). Unterwegs ist man am besten im Mietwagen, bezahlt wird alles per Kreditkarte (1 Euro = 1,16 US$). Navajo Nation:Die berühmtesten Naturdenkmale des Reservats liegen im Norden Arizonas: Das Monument Valley (Eintritt 10 US$ plus 15 US$ pro Fahrzeug), der Antelope Canyon unweit der Stadt Page am Lake Powell sowie der Canyon de Chelly (www. navajonationparks. org,www. nps. gov/cach). Der Antelope Canyon wird per geführter Tour besichtigt (157 US$ inkl. Eintritt,www. tsebighanilini. com), abends lohnt ein Besuch der Dinner Show von Red Heritage (76 US$,www. red-heritage. com). Im Monument Valley kommt man mit Guide an besondere Ecken (ab 95 US$,www. monumentvalleysafari. com). In die Schluchten des Canyon de Chelly geht’s im Allradtruck (ab 102 US$,www. explorenavajo. com). Stopps lohnen sich im Explore Navajo Museum in Tuba City (www. discovernavajo. com) und beim Hubbell Trading Post (www. nps. gov/hutr). Veranstalter:Nordamerika-Spezialist CRD Touristik organisiert individuelle USA-Reisen, z. B. eine 22-tägige Campertour durch die Nationalparks des Südwestens (inkl. Flug ab 2749 Euro p. P. ) sowie eine 17-tägige Mietwagenrundreise nur durch Arizona (inkl. Flug ab 3199 Euro p. P. ,www. crd. de). Geoplan Reisen plant eine 14-tägige Mietwagenrundreise ab/bis Phoenix mit Stopps am Grand Canyon und Antelope Canyon, Bahnfahrt im Verde Canyon und Reitausflug (inkl. Flug ab 3570 Euro p. P. ),www. geoplan-reisen. de. Unterkünfte:Hotels im Besitz der Navajo sind die Gouldings Lodge am Monument Valley (DZ ab 203 US$,www. gouldings. com) und die Thunderbird Lodge am Canyon de Chelly (DZ ab 125 US$,www. thunderbirdlodge. com). In Page beim Antelope Canyon gibt es eine große Auswahl an Unterkünften (www. visitpageaz. com). Auskunft:Visit Arizona,www. visitarizona. com

Quelle: augsburger-allgemeine.de

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