USA oder China? Die KI-Welt zerfällt in zwei Systeme
Die KI-Welt zerfällt in zwei Systeme. Für Unternehmen wird es immer schwieriger, Technik aus den USA und China zu kombinieren. Ein Roboterkampf in Peking. China und die USA rittern bei der Künstlichen. . .
Die KI-Welt zerfällt in zwei Systeme. Für Unternehmen wird es immer schwieriger, Technik aus den USA und China zu kombinieren. Ein Roboterkampf in Peking. China und die USA rittern bei der Künstlichen Intelligenz (KI) um die Vorherrschaft. Und das hat Folgen für europäische Unternehmen. Reuters / Cnsphoto31. 07. 2026 um 05:43vonAloysius WidmannDie Presse auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle hinzufügen. Dem Rest der Welt sind die USA längst enteilt, aber China lässt sich nicht abschütteln. Ende 2024 sah es sogar danach aus, als hätte das Reich der Mitte seinen großen Rivalen eingeholt. Das chinesische KI-Startup DeepSeek hatte damals ein Sprachmodell veröffentlicht, das mit der amerikanischen Konkurrenz mehr als mithalten konnte. Doch kurz danach kündigten die USA mit „Stargate“ ein massives Investitionsprogramm in Infrastruktur für Künstliche Intelligenz an. Das Joint Venture aus OpenAI, Oracle, SoftBank und MGX will 500 Milliarden Dollar in modernste Rechenzentren investieren. Seither haben die USA wieder die Nase vorn im KI-Rennen, schreiben Experten der Boston Consulting Group (BCG) in einer neuen Analyse. Ob die amerikanische Strategie, sehr viel Geld in den Sektor zu pumpen, mittelfristig aufgeht, ist eine andere Frage. Zwischen 2023 und 2026 konnten KI-Firmen aus den USA etwa neunmal mehr Risikokapital einsammeln als ihre chinesischen Konkurrenten. Und trotzdem sind Chinas Modelle beinahe so gut wie jene aus Amerika – und sehr viel billiger sind sie auch noch. Hinter den ähnlichen Erfolgen stehen zwei ganz unterschiedliche Strategien. Die USA setzen auf schiere Größe. Möglichst viel Kapital und möglichst viel Rechenleistung sollen die besten Chips und die leistungsfähigsten Modelle hervorbringen. China wiederum setzt auf günstige und effiziente Modelle, eigene Chips und eine möglichst rasche Verbreitung der KI in Industrie, Verwaltung und Haushalten. Beide Rivalen sehen KI nicht nur als Wirtschaftsmotor, sondern vor allem auch als strategisches Machtinstrument. Sie bauen ihre technologischen Systeme zunehmend unabhängig voneinander auf. Und das macht sie immer weniger miteinander kompatibel, wie die BCG-Experten schreiben: „Unternehmenschefs und politische Entscheidungsträger weltweit könnten daher früher als gedacht gezwungen sein, sich für eine Seite zu entscheiden. “USA oder China?Das gilt auch für Europa, das stark von ausländischen KI-Modellen und ausländischer KI-Hardware abhängt. Der technologische Unterbau einer Künstlichen Intelligenz besteht aus vier Ebenen, alle werden von amerikanischen und chinesischen Firmen dominiert. Wer einem Chatbot eine Frage stellt, interagiert mit der obersten Ebene. Sie leitet die Anfrage an das darunterliegende Modell weiter, das eine Antwort erzeugt. Dieses Modell läuft in einer Cloud, die wiederum auf Servern in Rechenzentren basiert, in denen spezialisierte Chips verbaut sind. Auf jeder dieser Ebenen greifen zudem politische und rechtliche Vorgaben. Die USA und China stimmen Modelle und Hardware immer stärker auf das eigene technologische Ökosystem ab. Ein Wechsel zwischen den Systemen wird dadurch technisch schwieriger und teurer. Außerdem dürften die beiden KI-Mächte auf andere Länder zunehmend politischen Druck ausüben, sich für eine Seite zu entscheiden, so die BCG-Experten. Oder doch Europa?Europa muss sich auf die Blockbildung in der KI-Welt einstellen und damit rechnen, dass einzelne Anbieter oder Technologien einmal nicht mehr verfügbar sind. Das bedeutet aber nicht, dass Europa alle Ebenen der KI selbst herstellen muss. „Resilienz ist wichtiger als Souveränität“, sagt Studienautor und BCG-Manager Sylvain Duranton zur „Presse“. Es brauche keine zu hundert Prozent europäische Infrastruktur. Vielmehr sollten Firmen auf modulare Systeme setzen, in denen einzelne Anbieter gegebenenfalls möglichst einfach ersetzt werden können. Und entscheidend sei auch, dass in Europa genügend Rechenleistung vorhanden ist. Nur so könne Europa KI-Ökosysteme bauen. „Die EU wird die USA und China im KI-Rennen nicht mehr einholen. “Wobei laut Duranton die größten Risiken für die KI gar nicht in der Geopolitik lauern. „Die technologischen Risiken sind größer als die geopolitischen Risiken“, sagt der Berater. Viele Unternehmen hätten in den vergangenen Jahren viel in Cybersicherheit investiert und würden glauben, dass sie jetzt gut für die Zukunft gerüstet sind. „Sie werden in den nächsten Jahren nochmal ein Vielfaches investieren müssen“, sagt Duranton. Mehr dazu