USA planen Verbot chinesischer Bauteile für KI-Rechenzentren
Die US-Regierung arbeitet an einem Verbot für den Import neuer chinesischer Rechenzentrums-Bauteile. Das berichtet Reuters unter Berufung auf vier mit dem Vorgang vertraute Personen. Zuständig ist die Federal. . .

Die US-Regierung arbeitet an einem Verbot für den Import neuer chinesischer Rechenzentrums-Bauteile. Das berichtet Reuters unter Berufung auf vier mit dem Vorgang vertraute Personen. Zuständig ist die Federal Communications Commission (FCC), die Aufsichtsbehörde für die US-Telekommunikation. Die Behörde wolle die Regelung noch in diesem Jahr veröffentlichen, dann trete sie in Kraft. Im Kern geht es um Transceiver. Diese Module wandeln elektrische Signale in Lichtsignale um und zurück. Sie verbinden Server und Grafikprozessoren im Rechenzentrum und transportieren die Datenmengen, die beim Training und Betrieb vonKI-Modellenanfallen. Wächst die Zahl der Chips in einem Cluster, wächst der Bedarf an Transceivern im gleichen Takt. Sorge vor SabotageNach Angaben der Reuters-Quellen soll das Verbot verhindern, dass chinesische Firmen Daten abgreifen, Schadsoftware einschleusen oder den Betrieb amerikanischer Rechenzentren stören können. In diesen Anlagen stehen die Chips, auf denen die großen KI-Modelle laufen. Ganz beschlossen ist die Maßnahme allerdings noch nicht. Die FCC könne die Beschränkung noch abändern oder fallen lassen, hieß es weiter. Sie sprachen demnach nur unter der Bedingung der Anonymität. Weltmarktführer sitzt in ShanghaiAm härtesten träfe ein Verbot das chinesische Unternehmen Zhongji Innolight, einen der größten Transceiver-Anbieter weltweit. Nach Angaben von Counterpoint Research hält Innolight rund 27 Prozent des globalen Marktes für Rechenzentrums-Transceiver. Zusammen mit dem Konkurrenten Eoptolink beliefert Innolight nach Branchenschätzungen etwa 60 Prozent des 800G-Bedarfs des Chip-Herstellers Nvidia. Innolight war im Juni auf die Liste des Pentagons mit angeblich vom chinesischen Militär gestützten Firmen gesetzt worden. Eine solche Aufnahme gilt oft als Vorbote härterer Schritte. Das Unternehmen erwirtschaftet nach Angaben der Foundation for American Innovation 90 Prozent seines Umsatzes außerhalb Chinas. Auf eine Anfrage von Reuters reagierte Innolight demnach nicht. So groß Innolights Vorsprung bei der Fertigung ist, so abhängig bleibt das Unternehmen von amerikanischer Technik. Die schnellsten Module brauchen Signalprozessoren und Laser, die weiterhin von US-Firmen wie Broadcom, Marvell, Lumentum und Coherent kommen. Nach Analysen des Branchendienstes MLQ. ai liegt darin die eigentliche Schwachstelle der chinesischen Anbieter. Zugleich verlagern sie Teile ihrer Fertigung nach Thailand und Vietnam, um Zöllen auszuweichen. Kursgewinne in den USA, scharfe Worte aus ChinaDieBörsereagierte prompt auf die Meldung. Den Angaben zufolge legten die Aktien der US-Anbieter Lumentum, Coherent und Applied Optoelectronics um sieben, elf und 18 Prozent zu. Anleger sehen die drei Firmen als Profiteure eines Verbots. Die chinesische Botschaft in Washington reagierte zurückhaltend, aber deutlich. Sie forderte dieUSAauf, auf die sachlichen Stimmen der Wirtschaft in beiden Ländern zu hören und chinesische Firmen nicht länger mit Sanktionen zu bedrohen. Chinawerde alle nötigen Maßnahmen ergreifen, sollte eine Handlung seinen Interessen ernsthaft schaden, teilte die Botschaft nach Angaben von Reuters mit. Die Drohung ist mehr als Rhetorik. Als Washington im Juni seine Liste angeblich militärnaher chinesischer Firmen erweitert hatte, verhängte Peking nach Angaben des US-Handelsministeriums und übereinstimmenden Medienberichten Ausfuhrkontrollen gegen zehn amerikanische Unternehmen, darunter die Seltene-Erden-Förderer MP Materials und USA Rare Earth. Die Führung in Peking kontrolliert die Verarbeitung schwerer Seltener Erden fast vollständig. Diese Metalle stecken in Magneten für Rüstungsgüter und Elektronik, und sie sind der Hebel, mit dem China auf amerikanische Technologiebeschränkungen antwortet. Ein Muster, das an Huawei erinnertDer Schritt reiht sich in eine Serie ähnlicher US-Maßnahmen ein. Die FCC hat bereits Einfuhren chinesischer Drohnen, Router, Roboter und Wechselrichter erschwert und gilt inzwischen als einer der schärfsten China-Regulierer in Washington. Zusätzlich wird erwogen, auch chinesische Mobilfunkmodule zu beschränken. Hintergrund ist die Sorge, ähnliche Fehler wie imFall Huaweizu wiederholen, dessen Technik sich so tief in die US-Infrastruktur eingegraben hatte, dass ein Rückbau nur langsam und lückenhaft gelang. Bemerkenswert ist zudem, dass die eigentlich unabhängige FCC durch ein Urteil des Obersten Gerichtshofs zuletzt stärker unter dem Einfluss der Regierung steht. Noch ist nichts entschieden, die FCC könnte den Entwurf jederzeit abschwächen. Doch der Vorstoß zeigt: Im Ringen um die Kontrolle über KI-Infrastruktur ist der nächste Schlagabtausch zwischen den USA und China nur eine Frage der Zeit. Lesen Sie mehr zum Thema