Versprochener Tourismus-Boom bei der WM in den USA bleibt aus
Die Fifa hatte mit Millionen internationalen Fans und Milliardenumsätzen gerechnet. Doch bislang füllen offenbar vor allem Amerikaner die Stadien – und die Buchungen für viele Hotels bleiben hinter den Erwartungen zurück.

WM in den USADer versprochene Tourismus-Boom bleibt aus23. 06. 2026 - 11:59 UhrLesedauer: 4 Min. Die Fifa hatte mit Millionen internationalen Fans und Milliardenumsätzen gerechnet. Doch bislang füllen offenbar vor allem Amerikaner die Stadien – und die Buchungen für viele Hotels bleiben hinter den Erwartungen zurück. DieFußball-WM 2026hat in denUSAbislang nicht den erhofften Schub für Hotels, Restaurants und Reiseanbieter ausgelöst. "Es ist nicht das eingetroffen, was sich die Branche erhofft hat", sagt Wirtschaftswissenschaftler und Tourismusexperte Harald Zeiss t-online. Hoteliers schlagen seit Wochen Alarm, weil Zimmer "überhaupt nicht so gebucht werden wie gedacht", so Zeiss. Der Professor an der Hochschule Harz spricht von einem "unglücklichen Start" für die USA als Gastgeber. Dabei hatte die Fifa vor dem Turnier mit deutlich mehr internationalemReiseverkehrgerechnet. In einer Analyse kalkulierte der Weltverband mit 6,5 Millionen Stadionbesuchern. 40 Prozent davon sollten demnach aus dem Ausland kommen. Die Annahme: Jeder ausländische Fan besucht im Schnitt zwei Spiele, reist mit Begleitung an und bleibt zwölf Tage im Land. Daraus leitete die Analyse erwartete touristische Ausgaben von 7,5 Milliarden Dollar ab, davon 6,4 Milliarden Dollar in den USA. Doch diese Erwartung erfüllt sich bisher vielerorts nicht. Laut "New York Times" lagen die Hotelbuchungen an Spieltagen in mehreren Gastgeberstädten, darunterNew York,Torontound Miami, unter dem Niveau des Vorjahres. Auch Flugbuchungen aus der EU in viele Austragungsorte seien für Juni und Juli zurückgegangen – am New YorkerFlughafenJFK um mehr als 15 Prozent, am FlughafenSan Franciscoum fast zehn Prozent. Stadien voll, Hotels leerDie schwache Nachfrage schlägt sich in den Hotelpreisen nieder. Viele Häuser hatten ihre Zimmer vor dem Turnier stark verteuert; die Übernachtungspreise lagen in einigen Gastgeberstädten zeitweise bis zu 500 Prozent über dem üblichen Niveau. Doch seit den Höchstständen sind die Preise stetig gefallen und liegen inzwischen eher auf dem Niveau eines normalen Juni oder Juli. In Vancouver etwa kosteten Zimmer pro Nacht zeitweise bis zu 1. 400 kanadische Dollar, also rund 1. 000US-Dollar. Mittlerweile kosten sie nur noch 285 Dollar. Auch in New York City mussten Hotels ihre Erwartungen zurücknehmen. Der Hotelverband der Stadt halbierte seine Prognose für zusätzliche Hotelumsätze während der WM auf 100 Millionen Dollar. Frühere Preisaufschläge von bis zu 300 Prozent seien wieder zurückgenommen worden. Dabei sind die meisten Spiele gut besucht, auch bei weniger attraktiven Vorrundenspielen. Doch für Hotels und Reiseanbieter ist entscheidend, wer im Stadion sitzt. Viele Zuschauer scheinen nicht aus dem Ausland anzureisen, sondern aus den USA selbst zu kommen.