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Warum das Iran-USA-Memorandum ein Ablenkungsmanöver ist

Foto: 3DdarkZone - Freepik. comDas Gemurmel des amerikanischen Präsidenten nach der Unterzeichnung des Memorandum of Understanding mit dem Iran – böse Zungen nennen es inzwischen „Memorandum of. . .

Von @finanzmarktwelt · · 7 min Lesezeit

Warum das Iran-USA-Memorandum ein Ablenkungsmanöver ist

Foto: 3DdarkZone - Freepik. comDas Gemurmel des amerikanischen Präsidenten nach der Unterzeichnung des Memorandum of Understanding mit dem Iran – böse Zungen nennen es inzwischen „Memorandum of Missunderstanding“ warbezeichnend: „Oil down, Stocks up“. Das ist die unverblümte Wahrheit zum eigentlichen Zweck dieses Abkommens über den zukünftigen Verhandlungsrahmen. Der wohl mit Abstand für den Hegemoniestatus der USA schlechteste Präsident aller Zeiten, scheint nicht einmal den Anschein wahren zu wollen, welche Prämisse ihn allein motiviert: den Weiterbestand der Assetpreis-Inflationsblase zum Wohle einer kleinen Oberschicht zu sichern. Die Gier und Getriebenheit beim Tanz um das goldene Kalb ähneln spätrömischen Zuständen in zunehmendem Maß – Käfigkämpfe vor dem Weißen Haus inklusive. Warum das Iran-USA-Memorandum ein Ablenkungsmanöver istBetrachten wir also die jüngste vertragliche Nebelkerze zwischen Teheran und Washington, so offenbart sich ein Schauspiel, das an eher ungeschickte Taschenspielertricks erinnert. Während die öffentliche Meinung gebannt die vermeintlichen Fortschritte in den Verhandlungen feiert, vollzieht sich hinter den Kulissen die systematische Manipulation der Finanzmärkte. Die Friedensfrage ist hierbei nicht mehr als ein wohlfeiles Vehikel, um den Ölpreis zu drücken, die Inflationserwartungen zu kühlen und die Renditen von Staatsanleihen zu zähmen. Es ist die Fortsetzung der amerikanischen Marktmanipulation mit anderen Mitteln: ein Plunge Protection Team in diplomatischem Gewand!Trump, Iran: Anatomie einer Inszenierung – vom Kriegsgeheul zur Freilassung der FriedenstaubeDie Entwicklung der letzten Monate gleicht einem schlecht geschriebenen Drehbuch – Hauptautor: Benjamin Netanjahu. Erst wüste Drohungen, lautes Säbelrasseln, der Zwölftagekrieg 2025, die mediale Inszenierung einer existenziellen Bedrohung und schließlich der Angriff auf das Mullah-Regime mit einem versuchten Enthauptungsschlag. Und nun wie scheinbar aus heiterem Himmel, die plötzliche Friedensbereitschaft, das Memorandum of Understanding, das angeblich die nukleare Eskalation in der Region langfristig verhindert hat. Die anderen 13 Punkte sind ohnedies nur Beiwerk, das die Weltöffentlichkeit als komplette Niederlage der Hegemonie analysiert. Doch Vorsicht, hier wird nicht etwa ernsthafte Diplomatie betrieben, hier werden die Finanzmärkte manipuliert. Das Timing der angeblichen Einigung ist kein Zufall, sondern erfolgt in einem Kipppunkt des wohl nach wie vor wichtigsten Markt auf dem Planeten: Erdöl, das Blut, das durch die Adern der Weltwirtschaft fließen muss – ansonsten Kreislaufstillstand und Exodus. Die USA, so die bittere Wahrheit, haben ein existenzielles Interesse daran, den Ölpreis zu reduzieren – nicht aus Sorge um den Frieden im Nahen Osten, sondern um insbesondere die eigene Wirtschaft nicht in eine stagflationäre Abwärtsspirale zu stürzen bzw. anstehende Mega-IPO´s nicht zu gefährden. Das wahre Schlachtfeld: Ölpreis, Inflation und Anleiherenditen – und nicht zuletzt Mega-IPO´s der Tech OligarchieStellen wir uns die Frage: Was wäre die wahrscheinlichste Reaktion der Märkte auf eine echte, substanzielle Friedenslösung im Nahen Osten? Ein Rückgang der geopolitischen Risikoprämie, ein sinkender Ölpreis, fallende Inflationserwartungen und damit einhergehend sinkende Renditen an den Anleihemärkten. Genau diese Kausalkette wird nun künstlich simuliert – nicht durch tatsächliche politische Fortschritte, sondern durch die geschickte Platzierung von „Leaks“ und wohlwollenden Interpretationen eines angeblichen „Verständnispapiers“. Zudem tut Trump persönlichalles, um seinen Tech-Bros das Einsammeln von Investorengeldern in ihren IPO´s am wahrscheinlichen Blow of Top des KI-Marktes zu sichern. Liquiditätsengpässe kann man hier keinesfalls brauchen. Das Scheitern auch nur eines dieser Börsengänge hat die Qualität des berüchtigten schwarzen Schwans. Die „Märkte“ reagieren wie gewünscht. Sie preisen das Ereignis ein, bevor es überhaupt stattgefunden hat. Es ist der Klassiker der inzwischen Maschinen-dominierten Marktpsychologie: Die Erwartung einer Handlung wirkt stärker als die Handlung selbst. Und genau hier liegt der Hund begraben. Der eigentliche Inhalt des Memorandums ist dabei sekundär – es geht um den Eindruck von Fortschritt, um die Inszenierung von markterwünschtem (Pseudo-)Frieden. Dass die Inhalte nicht wirklich ernst zu nehmen sind, zeigt sich an der Einseitigkeit der scheinbaren Zugeständnisse an den Iran. Hier kommt lediglich ein überdimensionales Zuckerbrot vor der Peitsche. Eine echte Einigung wäre voller Haken und Ösen, voller Kompromisse, die beide Seiten schmerzen – und hätte auch den bisher auffallend stillen Drehbuchautor Netanjahu nicht außen vor gelassen. Dieses Memorandum klingt wie ein Wunschkonzert der Hardliner in Teheran, aber es erfüllt zunächst seinen primären Zweck: Straße von Hormus „geöffnet“, Ölpreis runter, Inflation runter, Anleiherenditen runter. Zudem wird betont, dass sich es der Beginn der eigentlichen Verhandlungen und nicht deren Ergebnis ist. Trump und Iran: Frieden als Mittel zum Zweck – die Fortsetzung der MarktmanipulationDamit sind wir bei des Pudels Kern: Die Friedensfrage wird hier nicht etwa aus humanitären oder geopolitischen Erwägungen verfolgt, sondern als Instrument zur Steuerung der Finanzmärkte. Es ist die logische Fortsetzung dessen, was wir von der US-Notenbank und dem Finanzministerium gewohnt sind. Nur diesmal mit geopolitischen Mitteln. Die USA – und nicht nur die, man denke an den größten Wackelkandidaten Japan – ist von einer wieder absehbaren Zinswende in einem nach wie vor ungebremsten Wachstum der Staatsverschuldung gefangen und brauchen dringend sinkende Anleiherenditen, um sich weiter finanzieren zu können. Gleichzeitig nagt die Inflation an der Kaufkraft der Bevölkerung, deren Sparquote sich schon jetzt auf historischen Tiefstständen bewegt – ein politisches Pulverfass. Was liegt also näher, als die mächtigste Waffe, die man im geopolitischen Arsenal hat, einzusetzen: die Kontrolle über die globalen Energiepreise?Ein Blick auf die Mechanismen eines der aktuell wohl wichtigsten Instrumente im Kommunikationskrieg – das „Plunge Protection Team“ – zeigt, wie solche Eingriffe funktionieren. Was einst auf die direkte Intervention an den Aktienmärkten beschränkt war, hat sich längst zu einem systemischen Ansatz entwickelt, der alle Hebel der Macht umfasst – von der Zinspolitik über die Devisenintervention bis hin zur geopolitischen Inszenierung. Das Iran-Memorandum ist der jüngste Beweis für diese Entwicklung. Fazit: Die Selbsttäuschung der MärkteDie „Märkte“, so scheint es, haben ihre Lektion willfährig aufgenommen. Sie reagieren auf die erwartete Entwicklung, nicht auf die tatsächliche. Die Öffnung der Straße von Hormus ist mehr ein Mythos als Realität – bis dort Normalbetrieb herrscht und der Rohstoffmangel wirklich gelindert wird, werden weitere Monate vergehen, selbst wenn der aktuelle Plan umgesetzt würde. Und genau diese Erwartung wird von den USA mit einer Präzision gesteuert, die an militärische Operationen erinnert. Die Friedensfrage ist zur Wirtschaftswaffe verkommen, das Memorandum of Understanding zum Instrument der Marktmanipulation. Vorsicht ist geboten – „when reality kicks in“Solche Inszenierungen sind wie ein Kartenhaus – sie können in sich zusammenfallen, sobald die Realität die Erwartungen einholt. Sollte sich das Memorandum als das herausstellen, was es ist – ein Papiertiger ohne Substanz – droht eine markante Korrektur an den Öl- und Anleihemärkten. Der Schock des Erwachens könnte härter ausfallen als die vermeintliche Erleichterung über den „Frieden“ zuvor. Dazu ist es eigentlich nur notwendig, dass der eigentliche Drehbuchautor macht was er angekündigt hat: den Krieg gegen die Hisbollah im Libanon eben nicht zu beenden. Es bleibt abzuwarten, wie lange sich der Iran in dieser Frage gedulden wird, um auf seine ebenfalls dringest benötigten und in Sanktionen eingefrorenen Mittel zugreifen zu können. Ein Henne-Ei Problem, bei dem Teheran bisher einen eindeutigen und kompromisslosen Zugang gezeigt hat. Die eigentliche Lehre aus dieser Episode? Sie lautet: Vertrauen Sie nicht den diplomatischen Floskeln, sondern den ökonomischen Imperativen. Die USA, so hat es den Anschein, werden nicht müde, neue Wege der Marktmanipulation zu finden – selbst, wenn sie dafür den „Frieden“ nach einem selbst begonnen Krieg im Nahen Osten als Bühne für ihr Spiel nutzen müssen. In dieser Inszenierung wird es aber schon sehr absehbar zu vielen Wendungen inklusive wiederholter Hormus-Sperrungen kommen. Die Zeiten eines gut gesteuerten, niedrigen VIX-Niveaus – der Maßstab an Volatilität von Kursen und damit Unsicherheit an den Märkten – scheint nun endgültig vorüber zu sein. Ausgang für die Weltwirtschaft: höchst ungewiss. Über den RedakteurOliver StalzerWirtschaftskolumnistDer Wirtschaftskolumnist Oliver Stalzer publiziert Wirtschaftspolitische und Finanzmarkt-AnalysenKommentare lesen und schreiben, hier klicken

Quelle: finanzmarktwelt.de

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