Wie Aldi von der Inflation in den USA profitiert
Discounter gewinnen in den Vereinigten Staaten immer mehr an Zulauf. Ihr Angebot richtet sich an jene Menschen, die wegen der hohen Lebenshaltungskosten auf jeden Dollar achten müssen. Die Kundschaft wird immer größer.

Der Mann an der Kasse trägt eine Kippa, um seinen Hals baumelt eine Kette mit einem glänzenden Davidstern. Auf dem Rücken ist zu lesen: „Großartige Leute, großartige Preise – Ein Aldi-Ding“. Vor ihm steht eine lange Schlange an Kunden, die sich am Samstagnachmittag mit dem Wocheneinkauf eingedeckt haben. „Nationale Lebensmittelgeschäfte können unsere Preise nicht schlagen – wir sehen uns nächste Woche“, lautet das Motto des Discounters über der Kasse. Vor dem Aldi Food Market an der Preston Road in der texanischen Metropole Dallas sind fast alle Plätze belegt. Typische Mittelklasseautos, einige haben Rost angesetzt. Elektro-Fahrzeuge sieht man hier nicht. Und es kommen alle: Latinos, Afroamerikaner, die weiße Mittelschicht. Ein Discounter-Supermarkt in den USA ist ein Schmelztiegel und trifft den Nerv der Zeit. Die Ware wird schlicht präsentiert und günstig angeboten. Aldi macht in den Vereinigten Staaten das,was in Deutschland bestens funktioniert. Inflation in den USA ist auf hohem Niveau„Die Preise sind hier günstiger als in den anderen Lebensmittelgeschäften“, sagt Maria und packt ihren Wocheneinkauf in ihren schwarzen Toyota. Rund 149 US-Dollar hat sie ausgegeben. „Mein Wochenlimit“, sagt die Angestellte eines Dentallabors. Ihren Nachnamen will sie nicht in der Zeitung lesen, aber sie hat eine Botschaft an die Deutschen: „Es hilft sehr, was Aldi da macht. “ Lebensmittel sind in den USA deutlich teurer als in Deutschland. Einkäufe im Supermarkt können schnell richtig teuer werden, daher macht es einen Unterschied, wenn man in einen Discounter geht. Dass die ohnehin lange Erfolgsgeschichte des Lebensmittel-Discounters in den letzten Monaten noch einmal neue Kapitel dazubekommen hat, liegt vor allem an der Inflation in den USA. Von US-Präsident Donald Trump verhängte Zölleauf eingeführte Waren, die Energiekrise infolge des Iran-Krieges, das alles ist längst im Geldbeutel zu spüren und setzt die Menschen unter Druck. Und wer am Monatsende nicht nur gefühlt, sondern tatsächlich weniger auf dem Konto hat, schaut sich nach den günstigsten Angeboten um. Aldi plant fast 200 neue Filialen„Aldi, der am schnellsten wachsende Lebensmitteleinzelhändler in den USA, hat seine neueste Filiale im Valley an der 1045 S. Gilbert Road in Mesa eröffnet“, berichtete im Mai dasPhoenix Business Journal. Der SenderFox 5 New Yorknennt die Kette einen „budget-freundlichen Lebensmittelhändler“ und schreibt: „Das Unternehmen plant, bis Ende 2026 mehr als 180 Filialen zu eröffnen. Ende 2028 sollen aus den 2800 Läden, die es heute schon gibt, etwa 3200 Filialen werden. Im PortalFortuneberichtete vor wenigen Tagen John Furner, der CEO der Discounter-Kette Walmart, über die „Sechsstelligen“, also jene Menschen, die mehr als 100. 000 US-Dollar im Jahr verdienen: „Wir beobachten, dass mehr Kunden mit höherem Einkommen zu uns kommen. Sie kaufen mehr ein und kommen häufiger vorbei. “ Eine Beobachtung, die auch die Konkurrenz teilt. „Unsere Kernkundschaft steht weiterhin unter finanziellem Druck“, sagt Todd Vasos, CEO der Discounterkette Dollar General. „Die Kunden in ländlichen Gemeinden versuchen, ihre Wege zu minimieren und Kompromisse einzugehen, um imAlltag erschwingliche Preiseund ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis zu finden. “ Und immer mehr finden deswegen den Weg zum Discounter. Aldi hat in den USA inzwischen fast 3000 Filialen. Foto: Anna Ringle, dpaDer Einstieg in den US-Markt begann 1976. In dem Jahr, in dem Aldi Süd in Deutschland bereits mehr als 500 Filialen betrieb, übernahm Karl Albrecht die Benner Tea Co. , eine kleine US-Supermarktkette im Mittleren Westen. Damit sicherte sich das Unternehmen Zugriff auf ein Zentrallager, eine funktionierende Verwaltung und ein erfahrenes Management-Team. Aldi nutzte die bestehende Infrastruktur für einen schnellen Markteintritt und wandelt die Geschäfte in den Bundesstaaten Iowa, Illinois und Missouri schrittweise in Aldi-Filialen um. Rasantes Wachstum des deutschen Discounters1981 betrieb Aldi bereits mehr als 100 Filialen, 2009 eröffnete der Discounter die 1000. , 2020 waren die 2000 voll. Im Jahr 2024 setzte Aldi Süd in den USA laut Handelsforschungsinstitut EHI 29,5 Milliarden Euro um - rund zehn Milliarden mehr als in Deutschland. Mit den Aldi-Läden aus den 70ern haben die heutigen Filialen nicht mehr viel gemein. Die Gänge sind breiter, die Verkaufsflächen heller. Das Filialnetz von Aldi Süd in den USA ist heute größer als das in Deutschland. Das Unternehmen ist inzwischen in den meisten US-Bundesstaaten vertreten und beschäftigt landesweit mehr als 45. 000 Menschen. Gesteuert wird das US-Geschäft vom Firmensitz in Batavia im Bundesstaat Illinois. Mit Genugtuung dürfte Aldi auf den Rivalen Lidl schauen. Während sich beide Unternehmen in Deutschland ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern, sind die Verhältnisse in den USA eindeutig. Lidl ist erst seit 2017 dort aktiv, hat lediglich rund 200 Filialen, allesamt an der Ostküste und im Südosten des Landes. (mit dpa)